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Datum:
29. Mai 2022

Katholikentag/Abschluss


Deutscher Katholikentag mit Messe auf Schlossplatz beendet


Das Experiment ist beendet. Nach mehr als zwei Jahren Pandemie haben sich die deutschen Katholiken wieder ein großes Live-Treffen zugetraut. Mit einer Messe auf dem Schlossplatz fand der 102. Deutsche Katholikentag seinen Abschluss.

Mit einem großen Gottesdienst auf dem Stuttgarter Schlossplatz ist am Sonntag der 102. Deutsche Katholikentag zu Ende gegangen. Das Treffen stand seit Mittwoch unter dem Motto „leben.teilen“.

Am Schlussgottesdienst, der live im ZDF übertragen wurde, nahmen nach Veranstalterangaben rund 6.000 Menschen teil. Die Messe stand im Zeichen des heiligen Martin, der Schutzpatron der gastgebenden Diözese Rottenburg-Stuttgart ist. Symbolisch wurde ein 80 Meter langer und drei Meter breiter roter Mantel, der eigens für den Katholikentag zusammengenäht und von Kindern und Jugendlichen gestaltet worden war, wieder geteilt. Damit sollte an den Auftrag von Christen für die Welt von heute erinnert werden: Glaubensverkündigung und Nächstenliebe.

In ihrer Dialogpredigt warben der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und die geschäftsführende Direktorin des Katholischen Bibelwerks, Katrin Brockmöller, für mehr Vielfalt. „Anderen abzusprechen, dass sie ‚richtig‘ von Gott reden, das ist ein Verhalten, das bis heute tötet. Die eigene Religion, Spiritualität oder Praxis absolut setzen, kann Leben zerstören“, sagte Brockmöller in einer Auslegung der biblischen Geschichte von der Steinigung des Stephanus. Der Wunsch, Macht und Kontrolle in religiösen Fragen auszuüben, führe allzu oft zu Gewalt. Und Bätzing ergänzte mit Blick auf die Apostelgeschichte: „Dieser Mord durch eine wütende Menge, ungebändigter Hass und die Unfähigkeit, Unterschiede auszuhalten. So ist die Welt – zumindest auch so. Das sehen und erleben wir täglich.“

Der Limburger Bischof erinnerte zugleich daran, dass die Steinigung des Stephanus Jahrhunderte lang der jüdischen Seite in die Schuhe geschoben worden sei und damit Antijudaismus und Antisemitismus gerechtfertigt wurden. „Was das Christentum über die Jahrhunderte durch Abwertung und Verleumdung an Schuld auf sich geladen hat, ist schier unermesslich“, sagte er. „Ich bin froh, dass wir heute von und mit unseren Geschwistern im Glauben versöhnt sprechen können. Als Kirche setzen wir uns mit allen Kräften gegen jede Art von Antisemitismus ein.“

Brockmöller und Bätzing unterstrichen allerdings auch, dass Vielfalt Anerkennung und Verbundenheit benötige. „Das ist vielleicht die wichtigste spirituelle Übung unserer Zeit: in der Vielfalt die Verbundenheit zu spüren“, sagte Brockmöller. Bätzing erklärte es sei auch seine Hoffnung, dass wir „in aller Unterschiedlichkeit erleben können, wie wir einander bereichern“. Das Ziel sei „nicht der kleinste gemeinsamen Nenner, das, was gerade noch geht, nicht bloß irgendein Kompromiss, sondern Einmütigkeit“.

Am Katholikentag hatten nach Angaben der Veranstalter rund 27.000 Menschen teilgenommen. Bei rund 1.500 Veranstaltungen ging es um die aktuellen Herausforderungen von Kirche und Gesellschaft, darunter insbesondere den Krieg in der Ukraine, die Klimakrise, die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der Kirche sowie daraus folgende mögliche Reformen.

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, forderte zum Ende des Gottesdienstes eine neue gesellschaftliche Debatte über den Stellenwert der militärischen Verteidigung in einer künftigen Friedensordnung.  Die Ukrainer brauchten unbedingt Unterstützung, sagte sie am Sonntag zum Abschluss des Deutschen Katholikentags in Stuttgart. Militär allein aber könne die weltweiten Krisen, der der Krieg in der Ukraine schon jetzt ausgelöst habe, nicht lösen.

„Es braucht mehr Geld im Entwicklungs-Etat. Wir müssen Hungersnöte verhindern. Wir dürfen uns der Verantwortung für die Menschen des Globalen Südens nicht entziehen“, fügte sie hinzu. Zudem habe bisher niemand ausreichend in einen Stopp der Klimakrise investiert.

Mit Blick auf die Folgen der Corona-Pandemie forderte die ZdK-Präsidentin zudem ein verstärktes gesellschaftliches Engagement für Demokratie und Gemeinsinn.  An die katholische Kirche richtete Stetter-Karp den dringenden Appell, sich zu verändern. Zu lange habe die Kirche Reformen verweigert und Machtmissbrauch ermöglicht. 

Die ZdK-Präsidentin zog eine positive Bilanz des Katholikentags. „Nach zweieinhalb Jahren Pandemie sind wir uns in Stuttgart begegnet und haben über fünf Tage miteinander unser Leben geteilt.“, sagte sie. „Wir sind auferstanden aus einer Zeit der Bedrückung, der Lockdowns, der Vereinzelung. Wir sind wieder auf dem Weg zu einer Gesellschaft des Miteinanders.“

In Anschluss lud Kirchentagspräsident Thomas de Maiziere in ökumenischer Verbundenheit zum Deutschen Evangelischen Kirchentag 2023 nach Nürnberg ein, der dort vom 7. bis 11. Juni stattfindet. Er hat das Motto "Jetzt ist die Zeit". Der nächste, 103. Katholikentag steht vom 29. Mai bis 2. Juni 2024 in Erfurt (Thüringen) an. Bischof Ulrich Neymeyr lud zusammen mit der Theologin Paula Greiner-Bär seinerseits zum Kommen ein, in das 742 vom heiligen Bonifatius gegründete Bistum mit seiner Patronin, der heiligen Elisabeth.


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