Pressemitteilungen

Datum:
28. Mai 2022

Sprache/Soziales/Diskriminierung


Politikerin Mahn: Alles darf gesagt werden


Sprache schafft Wirklichkeit und ist ständig im Wandel. Sie kann Brücken bauen und Abgründe vertiefen. Eine Diskussion über politische Korrektheit und mögliche Grenzen des Sagbaren.

Für die Frankfurter Stadtverordnete Marianne Mahn gibt es keine sprachlichen Grenzen. „Es darf alles gesagt werden, darauf müssen wir uns einigen“, erklärte Mahn am Samstag auf dem Podium „Wie steht es um die Debattenkultur in unserer Gesellschaft?“. Wenn Menschen andere diskriminierten, müssten sie jedoch auch mit einem Shitstorm im Internet und mit Kritik zurechtkommen. In Deutschland gebe es eine unangefochtene Meinungsfreiheit, das hätten die Demonstrationen während der Corona-Pandemie unter Beweis gestellt. „Nur weil etwas keine Straftat ist, heißt das aber nicht, dass ich mich auch so äußeren muss“, ergänzte sie.

Vor allem priviligiert aufgewachsene Menschen verstünden die Notwendigkeit von inklusiver Sprache oftmals nicht, führte Mahn weiter aus. Lange Zeit sei ihnen auch nicht widersprochen worden, wenn sie Worte verwendeten, die andere diskriminierten. Inzwischen aber seien marginalisierte Gruppen in führenden Positionen gleichfalls vertreten und stünden so auf Augenhöhe für sich ein.

Der Behauptung, dass eine Sprache mit generischem Maskulinum Frauen und andere Gender einschließe, widersprach Mahn. Wäre das der Fall, hätten in Politik und Wirtschaft nicht über Jahrzehnte hinweg weiße und heterosexuelle Männer das Sagen gehabt. Der Diskurs darüber müsse unangenehm sein und Reibung verursachen.

Die CDU-Politikerin und ehemalige Kulturministerin Monika Grütters warnte davor, Menschen mit Sprache zu überfordern. „Viele fühlen sich abgehängt und kommen nicht mehr mit.“ Wenn diese Gruppe sich nicht mehr an Diskussionen beteilige, sei das schlimmer als andere zu verletzen. Die Debatte dürfe nicht zu radikal werden, sonst laufe sie Gefahr in Gleichgültigkeit, Respektlosigkeit und Resignation abzudriften.

Mit Blick auf das Streichen von Passagen in Büchern oder das Entfernen von Kunstwerken plädierte Grütters dafür, Spannungen auszuhalten. Kulturgüter zu canceln, sei heikel; solche Entscheidungen lägen nicht auf der Hand. Auch müsse die Frage diskutiert werden, wie viel Gewicht subjektiv verletzte Gefühle einer kleinen Gruppe haben dürften.

Nach den Worten des taz-Redakteurs Jan Feddersen ist es falsch, Sprache „durchzupädagogisieren“. Über viele Dinge gebe es keinen Konsens, auch das müsse die Gesellschaft akzeptieren. „Wir werden niemals durch eine perfekte Sprache eine perfekte Welt bekommen“, sagte der Journalist. Gespielt werde auf dem Platz. Zudem dürften Themen wie inklusive Sprache, Gender-Pay-Gap und Rassismus nicht vermischt werden. „Mit einer Diskriminierungsrhetorik kommen wir nicht weiter.“  

Nach Ansicht von Deborah Krieg, Referentin in der Anne-Frank-Bildungsstätte in Frankfurt, zeigen die Attentate in Hanau und Halle, dass Deutschland noch immer strukturelle Probleme hat. Sprache hingegen schaffe Wirklichkeit und strukturiere die Gesellschaft. Wenn Menschen für eine humanistische Weltanschauung stünden und sich gegen diskriminierungssensible Sprache wehrten, sei das eine emotionale Reaktion. Diese Personen müssten sich fragen, warum sie nicht bereit seien, sich zu ändern und ob sie nicht hinter ihren eigenen Ansprüchen zurückfielen.


Pressekontakt

Bei Fragen, Anmerkungen oder sonstigen Wünschen sind wir gerne für Sie da. Rufen Sie uns einfach an oder schreiben Sie uns eine E-Mail:

Telefon: +49 711 49 054 159
E-Mail: presse(at)katholikentag.de

keyboard_arrow_up