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Datum:
28. Mai 2022

Kirche/Gesellschaft


Lammert: Konstruktion des Synodalen Weges bleibt hinter Erwartungen zurück


Der Synodale Weg ist immer noch unterwegs. Viele Defizite will der Reformdialog der katholischen Kirche in Deutschland angehen. Ob und wie das funktionieren kann, daran scheiden sich die Geister.

Der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert hat Zweifel an der Wirksamkeit des Reformdialogs Synodaler Weg geäußert. Schon dessen Konstruktion bleibe „weit hinter den Erwartungen zurück, die man bei der Gestaltung von gesellschaftlichen Prozessen voraussetzen sollte“, sagte Lammert am Samstag beim Podium „Vollmacht? Ohnmacht? Macht nix? Gewaltenteilung: Gesellschaft ja - Kirche nein?“. Besonders kritisch sieht der CDU-Politiker die Möglichkeit, dass eine Minderheit der Bischöfe Entscheidungen der Synodalversammlung blockieren könne. „Da ist viel nachgewiesener Veränderungswille gefragt“, betonte Lammert. „Meine Frustration ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen – und meine Zweifel an dem Veränderungswillen auch.“

Ansätzen, eine Kirche ohne Machtstrukturen zu schaffen, stehe er jedoch skeptisch gegenüber, so Lammert, „weil wir nicht über Religion und Glaube, sondern über Institutionen reden“.  Dadurch entstehe ein unrealistisches Bild. „Wir müssten ja nicht über Gewaltenteilung reden, wenn Gewalt überflüssig wäre.“

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann verteidigte den Synodalen Weg. Er sei davon überzeugt, „dass es auf diesem Weg zu Ergebnissen kommt“. Er persönlich sei etwa der Meinung, „dass man dogmatisch über die Frage der Frauenweihe reden müsste. Es gibt kein absolutes Argument dagegen“, erklärte Wiesemann. Damit stellte er sich auch auf die Seite des anwesenden Publikums, das bei einer Umfrage, was das stärkste Signal für eine Erneuerung wäre, Gleichberechtigung und Priesterweihe auch für Frauen an die erste Stelle wählte, gefolgt von einem Ernstnehmen des Synodalen Weges und dem Machtverlust des Klerus.

Wiesemann betonte aber auch, dass für die Reform „die Mühe des weltkirchlichen Weges“ gegangen werden müsse. Dass das nicht ohne Reibung funktionieren könne, sei ihm bewusst, so der Bischof. „Es braucht auch die Diversität, das Aushalten von Spannungen innerhalb des gemeinsamen Weges.“

Die Erfurter Theologin Julia Knop dankte Wiesemann für seine Unterstützung, stellte aber auch klar, dass es „diese Überzeugung bei allen 68 Bischöfen in Deutschland braucht“, damit die Beschlüsse des Synodalen Weges auch in den Diözesen umgesetzt werden könnten. Knop, die selbst als Teilnehmerin beim Reformdialog mitwirkt, schätzt am Synodalen Weg die Möglichkeit, über zwei Jahre zu erproben, wie Mitbestimmung auf Kirchenebene funktionieren kann. Insbesondere hob sie die Aktivität der jungen Teilnehmer hervor, die sie „bei Abstimmungs- und Entscheidungskultur als stärkste Gruppe“ erlebt.

Ausdrücklich warnte die Dogmatikerin vor einem „Gesundschrumpfen“ der Kirche, wie es teilweise als Lösung auf rechtskatholischen Portalen angepriesen werde. Dadurch käme es zu „einer Versektung der Kirche“, in der eine „laute Minderheit“ ihre Positionen durchsetzen könne.

Aus Sicht der Präsidentin des Bundesgerichtshofes, Bettina Limperg, müssen sich die Gläubigen beim Reformprozess „ein Stückweit selbst die Macht nehmen“. Die evangelische Präsidentin des Ökumenischen Kirchentags in Frankfurt beharrte darauf, dass es Macht innerhalb der Kirche auch weiter geben müsse. „Wir wollen ja, dass die Kirche eine gewisse Macht der Gestaltung in der Gesellschaft ausführt“, erklärte die protestantische Juristin. Dabei seien auch „sehr positive Konnotationen von Macht möglich“.


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