Pressemitteilungen

Datum:
28. Mai 2022

Nahost/Terrorismus/Religion


Irakischer Kardinal: Islam hat Modernisierungsstau


Der Nahost-Konflikt: ein leider schon klassisches Thema der Katholikentage. Diesmal im Schatten des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, kamen der Nahe Osten und die Rolle der Religionen dabei gleichwohl zur Sprache – und ein Kardinal aus dem Irak zu Wort.

Der irakische Kardinal Louis Sako hat eine Modernisierung des Islam eingefordert. Es brauche dringend eine Bürgergesellschaft mit gleichen Rechten für alle und jenseits von Religionszugehörigkeiten, sagte der chaldäische Patriarch von Bagdad am Samstag beim Katholikentags-Podium „Religion im Kugelhagel - Die Utopie eines Nahen Ostens ohne Terror“. Davor habe der Islam oft Angst.

In einem Staat wie dem Irak dürfe man nicht von Mehrheit oder Minderheiten sprechen; alle Bürgerinnen und Bürger sollten die gleichen Rechte haben statt mehr oder weniger, so das Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche. Die Führer der Muslime müssten ihre Texte neu interpretieren; auch ihre Gesetze seien sehr alt. Die Bildung der Bevölkerung über die eigene und über andere Religionen müsse modernisiert werden, forderte Sako. Dies würde helfen, gängige Vorurteile abzubauen und das Verständnis des je anderen zu verbessern.

Es liege an den religiösen Führern, die Spielregeln zu verändern – denn die Menschen folgten ihnen, so Sako. Doch leider sei der Islam sehr politisiert und benutze die Religion für eigene Interessen. Imame warnten vor dem Westen und vor dessen fehlendem Respekt vor Religion. Nach Worten des Kardinals gibt es einen sehr formalen Dialog zwischen den Religionen, aber keine Solidarität. Ein solcher Dialog ändere „weder die Mentalität noch die Praxis“ in der Bevölkerung.

Auch die muslimische Religionswissenschaftlerin, Nayla Tabbara aus dem Libanon forderte mehr Investitionen in Bildung, um Mentalitäten zu verändern. Erst mit veränderter Mentalität werde es aussichtsreich, ungerechte Gesetze zu verändern, so die Präsidentin der Adyan-Stiftung in Beirut. Es gelte auch, identitätsfokussierte Debatten zu überwinden; also die stete Frage: Was springt für meine Minderheit oder Gruppe heraus? Es fehle an einem grundlegenden Verständnis, sich als eine Gesellschaft zu begreifen und die Rechte der Gesamtheit als Maßstab zu nehmen.

Der Präsident von missio Aachen, Pfarrer Dirk Bingener, betonte, die Frage, wie man Friedenspotenziale von Religionen stark machen kann, werde nie „ein für allemal geklärt“, sondern stelle sich mit jeder Generation neu.


Pressekontakt

Bei Fragen, Anmerkungen oder sonstigen Wünschen sind wir gerne für Sie da. Rufen Sie uns einfach an oder schreiben Sie uns eine E-Mail:

Telefon: +49 711 49 054 159
E-Mail: presse(at)katholikentag.de

keyboard_arrow_up