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Datum:
16. Mai 2026
Von Abbau der Bürokratie und großen Reden

Wenn sich etwa ändern soll - doch die Skepsis groß ist

Deutschland, das Land der Fragebögen und Anträge. Die Digitalisierung soll künftig vieles leichter machen. Doch ganz so einfach ist das nicht.

Bürokratieabbau ist wünschenswert, aber nicht so einfach. Das wurde am Samstag beim Podium “Es muss sich was ändern! Wie gelingen Transformationsprozesse in Staat und Kirche” am 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg deutlich. Die Bundestagsabgeordnete Franziska Hoppermann (CDU), Mitglied im Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung, machte dafür das Bedürfnis vieler nach Einzelfallgerechtigkeit verantwortlich. Dazu gehörten auch die weit verbreiteten, langen Fragebögen. Eigentlich gebe es das Bedürfnis, alles solle künftig durch Digitalisierung schneller und einfacher gehen. Doch wenn die Bürgerinnen und Bürger dem Staat ihre Daten mitteilen sollten, herrsche große Skepsis, diese mit ihm zu teilen. Dazu kämen noch viele Regeln wie etwa die DIN-Normen, die nicht die Politik mache.

Auch der Limburger Bischof Georg Bätzing sprach über den Unmut von Priestern über Bürokratie. Durch die vielen Verwaltungsaufgaben bliebe ihnen keine Zeit mehr für den seelsorglichen Dienst, ihre eigentliche Aufgabe. 

Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer verwies auf ihre Erfahrungen bei der Beantragung einer Halbwaisenrente vor etwa zehn Jahren. Das sei so ein “Horror” gewesen, dass sie gedacht habe, “die wollen uns auch noch leiden lassen”. Großen Konzernen hingegen werde es mit Anträgen viel leichter gemacht. Dabei sollte man unten anfangen und dann Stück für Stück nach oben gehen. 

Der bald aus dem Amt scheidende Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD), erzählte, dass er in seiner ersten Regierungserklärung den Abbau von Bürokratie angekündigt habe. Denn bis eine Familie etwa an Leistungen komme, die ihr zustünden, dauere es zu lange. “Wir haben ein Sicherheitsnetz geschaffen, durch das wir eine blockierte Gesellschaft geworden sind.” Sein Vorhaben habe er dann auch umgesetzt und sei daraufhin von einem Landrat auf das Thema angesprochen worden. Dieser habe zwar grundsätzlich zugestimmt, habe aber bedauert, dass die Sache nun von der Kommune auf die Landesebene verlagert worden sei. Dies habe ihm missfallen, denn: „Bei mir in der Verwaltung ist das eine liebgewordene Tätigkeit.“ Dabei hatte Schweitzer, wie er sagte, immer gedacht, Liebe sei vielleicht eine Sache der Kirche, aber bestimmt nicht der Verwaltung.

Um in Politik und in der Kirche notwendige Veränderungen durchzusetzen, brauche es Vertrauen in die handelnden Personen, erklärte Bätzing. Doch gerade daran hapere es derzeit. Die Menschen fühlten sich als Zuschauer nicht wahrgenommen. 

Der Bischof verwies auf die Selbstlosigkeit, die mit dem christlichen Glauben verbunden sei. “Bring dich ein, und schau nicht zuerst darauf, was du davon hast.” Er habe riesigen Respekt vor jedem, der in die Politik gehe. Neubauer monierte, lange keine politische Rede mehr gehört zu haben, in der ein Traum oder eine Vision formuliert worden sei. Dabei ginge das beim Thema ökologische Transformation sehr gut, weil es auch um Respekt, Fürsorge und Nächstenliebe gehe, was hoffnungsvolle und mutmachende Ideen seien. Schweitzer hielt dem entgegen, besser Realist zu bleiben. Es gebe politische Kräfte, die Visionen formulierten, aber toxische. Das Problem sei, dass die demokratischen Parteien in den Regierungen schon viele Dinge richtig machten, aber es nicht schafften die Gegenvision aufzubauen. Dazu stießen die Streitereien in der Bundesregierung die Menschen ab.


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