Pressemitteilungen
Immer weniger Kirchenmitglieder. Vor allem auch viele junge Menschen wenden sich anderen Dingen zu, als der Kirche. Gleichzeitig gibt es ein großes Bedürfnis nach Orientierung.
Vertreter aus Kirche, Politik und Wissenschaft haben mehr Mut zur Verkündigung und mehr persönliche Glaubenszeugnisse gefordert. Der Würzburger Bischof Franz Jung sagte am Freitag auf dem 104. Deutschen Katholikentag, junge Menschen interessierten sich weniger für Reformprogramme als für die Frage: “Was glaubst du selbst? Entscheidend sei Authentizität. Menschen spürten sehr genau, ob ein Gottesdienst “aus dem Herzen komme oder nur “eine Nummer abgespult werde.
Der frühere Unionsfraktionschef im Bundestag, Ralph Brinkhaus, hob den gesellschaftlichen Wert der Kirche hervor. Politik könne nur “die vorletzten Fragen beantworten. Zusätzlich brauche es einen Ankerpunkt außerhalb der Politik selbst, den die Kirche liefern könne. Zugleich warf er den Kirchen vor, sich zu sehr mit sich selbst und zu wenig mit ihrer Botschaft zu beschäftigen. Viele Menschen hätten eine Sehnsucht nach Orientierung.
Der Pastoraltheologe Jan Loffeld sprach von einem „cultural clash“ (kulturellen Konflikt) zwischen einer eher zurückhaltenden deutschen Religionskultur und evangelikalen Formen offensiver Glaubenskommunikation. Insbesondere viele junge Menschen seien offen und neugierig für den Glauben. Diese bräuchten eine professionelle Ansprechperson, die aus den Reihen der Kirche stammen könne.
Jung hob hervor, Kirche müsse dort präsent sein, “wo es brennt – etwa in der Bahnhofsmission oder in der Flüchtlingshilfe. Hoffnung entstehe aber auch durch persönliche Gemeinschaft und geistlichen Austausch. Menschen suchten Orte, an denen sie sich beheimatet fühlten. Brinkhaus stellte dem entgegen, dass auch Otto-Normalverbraucher und nur bedürftige Menschen Sorgen hätten, auf die die Kirche eingehen müsse. “Ehrlicherweise nehme ich in meinen Sprechstunden wahr, dass selbst der 58-jährige Abteilungsleiter eine Not hat. Auch er habe ein Bedürfnis nach Seelsorge.
Der Leiter des Fachteams Kirchenentwicklung im Bistum Limburg, Jan Kuhn, warnte vor einer Übersteuerung kirchlicher Reformprozesse. Kirche brauche Menschen, die Glauben verkörperten statt immer neuer Masterpläne. Zugleich sei es wichtig, die großen Schlaglichter zu definieren, in die sich die Kirche einbringen könne. Kuhn zufolge sind das unter anderem die starke Polarisierung und die Bewahrung der Schöpfung.
Pressekontakt
Bei Fragen, Anmerkungen oder sonstigen Wünschen sind wir gerne für Sie da.
Rufen Sie uns einfach an oder schreiben Sie uns eine E-Mail:
Cosima Jagow-Duda
Abteilungsleitung Presse und Marketing
Tel.: +49 931 870 93 150
E-Mail: presse(at)katholikentag.de