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Seelsorge darf nicht übergriffig sein. Dafür benötigen Priester eine entsprechende Ausbildung, und die Gläubigen ein starkes Rückgrat, betonte der Aachener Bischof Helmut Dieser bei einem Gespräch über Missbrauch in der Kirche.
Die im Lauf der vergangenen Jahre entwickelten Präventionsmaßnahmen in der katholischen Kirche, um Kinder und Jugendliche vor sexuellem Missbrauch zu bewahren, scheinen sich zu bewähren. Bisweilen sei aber auch noch Luft nach oben, sagte die aus Münster stammende Expertin Milena Bücken am Freitag bei einem Podium unter dem Motto “Zwischen Schutz und Schweigen auf dem Würzburger Katholikentag. Die Sensibilität sei gestiegen und das Bewusstsein gewachsen.
Der Präventionsbeauftragte des Bistums Trier, Andreas Zimmer, ergänzte, das Thema sei noch nicht zum Abschluss gekommen. Gewalt an sich werde nicht verschwinden. Nun komme es darauf an, inwieweit die Maßnahmen die Kultur in der Gesellschaft insgesamt veränderten. Der Aachener Bischof Helmut Dieser, Vorsitzender der Fachgruppe für Fragen des sexuellen Missbrauchs, verwies darauf, dass die Institution heute nicht mehr gedeckt werde. Allerdings sei es wichtig, dass Betroffene in ihrem eigenen Fall die Regie behielten. Es müsse immer abgewogen werden, was diese wollten und nicht was das Regelwerk der Diözesen vorschreibe.
Zugleich räumte Dieser ein, dass Seelsorge aufgrund des gegebenen Machtgefälles ein sensibles Feld sei. Darum sollten alle Beteiligten wissen, dass Behutsamkeit angesagt sei. Es gebe auch so etwas wie ein “Seelsorgegeheimnis. Um Missbrauch in der Kirche zu unterbinden, müsse den Menschen ein starkes Rückgrat gegeben werden. Das gelte für Kinder, Erwachsene und Pflegebedürftige. Ihnen müsse vermittelt werden: “Ich tue nichts, was du nicht willst. Ich muss immer darauf achten, dass du eine freie Person vor Gott bist. Seelsorge dürfe nicht übergriffig sein, sonst entstehe “geistlicher Missbrauch. Dem Einwand der Regensburger Pastoraltheologin Ute Leimgruber, kein Priester dürfe ein Kind bei der Beichte auf seine Sexualität ansprechen, stimmte der Bischof zu. Er würde jedem raten, der so etwas erlebt, die Frage nicht zu beantworten.
Aufgrund der Reaktion des Publikums, die den Eindruck vermittelte, dass viele andere Erfahrungen gemacht hätten, wurde der Bischof noch einmal deutlicher. Sein Anliegen sei es, die Beichte als Sakrament zu schützen. Sie sei kein Verhör, sondern ein Raum, in dem der beichtende Mensch selber die Themen seinem Gewissen folgend vorbringe. Das müsse dem Beichthörenden bewusst sein, denn sonst handle es sich um Fremdbestimmung. Das gelte grundsätzlich.
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