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Jedes Jahr verliert die Kirche weiter an Mitgliedern. Dennoch glaubt der Münchner Kardinal Reinhard Marx, dass die Kirche neu an gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen habe - in einer konkreten Sache.
In der aktuellen Debatte um die Verteidigung der Demokratie hat die Kirche nach Ansicht des Münchner Kardinals Reinhard Marx gesellschaftlich wieder neu an Bedeutung gewonnen. “We are back (wir sind zurück), sagte der Erzbischof von München und Freising auf dem 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg. Denn die Frage sei: “Sind wir da, haben wir etwas zu sagen, sind wir gut drauf. Eine Rückkehr zu einer besseren Vergangenheit werde es aber nicht geben. Stattdessen erwarte er weitere Transformationen. Menschen würden vielleicht künftig keine Christen mehr sein und auch kein Verständnis von Gott mehr haben. Wichtig sei aber, dass sie den Wert der Kirche dennoch anerkennen, etwa wenn sonntags die Glocken läuteten.
Der ehemalige Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus, betonte, die Kirche habe die Aufgabe zu verkünden, was Gottes Meinung sei. Problematisch werde es, wenn sie sich zum moralischen Richter erhebe. Sie sollte vielmehr moralische Orientierung bieten. Marx widersprach dem Unions-Politiker: “Wir können nicht genau sagen, was Gott denkt, aber wir können sagen, wozu vom Evangelium her aufgerufen werden soll. Moral werde durch kurzfristiges Denken zerstört, das darauf ausgerichtet sei, nur die eigenen Interessen zu verfolgen. Wichtig sei dagegen eine langfristig ausgerichtete Sozialethik.
Die Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Anne Gidion, stimmte dem Kardinal zu. "Ich würde mir niemals anmaßen zu glauben, zu wissen, wie Gott denkt.“ Wenn das von Politikern so wahrgenommen werde, sei dies ein Zeichen dafür, dass man zu viel übereinander und zu wenig miteinander rede.
Der Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins zufolge ist es Aufgabe der Kirche, das große Ganze in die Politik zu tragen. Während sich die Politik auf das Tagesgeschäft konzentriere, könne die Kirche Werte wie die Menschenwürde vertreten, die im Evangelium stehen. Die Kirchen müssten das utopische Moment aufzeigen. Papst Leo XIV. habe es im Streit mit dem US-Präsidenten Donald Trump vorgemacht. Er habe sich nicht auf einen punktuellen Konflikt eingelassen, sondern auf Grundpositionen verwiesen.
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