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Datum:
15. Mai 2026
Über Krieg, Frieden und Dialog

Politikwissenschaftler Masala: Kirchen haben in Sachen Friedensbemühungen den längeren Atem

Die Großmächte haben den Krieg für sich wiederentdeckt, um ihre Interessen durchzusetzen. Aber wer zum Verhandeln aufruft, braucht Partner. Und dann ist da noch das Recht auf Selbstverteidigung.

Die Kriege auf der Welt haben sich nach den Worten des Politikwissenschaftlers Carlo Masala nicht so stark vermehrt. International tobten sie seit Jahren, sagte er am Freitag auf dem 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg bei der täglichen Pressekonferenz des Veranstalters. Als Beispiele nannte er den Südsudan und den Kongo. 

Was den Menschen derzeit Angst mache, sei, dass mächtige Staaten wie die USA und Russland den Krieg wiederentdeckt hätten, um ihre Interessen durchzusetzen. Es gelte eine neue Ordnung des Stärkeren, die man aber nicht akzeptieren müsse. Zugleich gebe es Situationen, in denen Dialog nicht funktioniere, weil sich eine Seite nicht auf Gespräche einlasse. Er verwies auf das englische Sprichwort „It takes two to tango“ (es braucht zwei Leute, um Tango zu tanzen). Wenn einer nicht mittanzen wolle, werde es eben schwierig. 

Zugleich erinnerte der Wissenschaftler daran, dass die Entspannungspolitik der Bundesrepublik Deutschland zur Zeit des Kalten Krieges auf militärischer Stärke aufbaute. Außerdem habe jeder Staat ein Recht auf Selbstverteidigung und müsse sich nicht auf Dialog einlassen. Frieden sollte zwar die Leitlinie sein, aber es gebe Situationen, in denen Frieden temporär nicht möglich sei. 

Was die Kirchen betreffe, so hätten diese in Sachen Friedensbemühungen im Unterschied zur Politik den langen Atem, so Masala. Sie könnten Dinge vorbereiten und begleiteten, allerdings selten am großen Rad drehen. In dem Moment, wo es zu Verhandlungen komme, stünden sie bereit. Dabei verwies der Wissenschaftler auch auf den Papst, der aus seiner Sicht korrekterweise Dinge anmahne. Natürlich könne man wie Stalin fragen, über wie viele Divisionen das katholische Kirchenoberhaupt verfüge. Dieses könne aber auf 1,4 Milliarden Gläubige verweisen.

Die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Dorothee Klüppel, sagte, dass auch während eines Kriegs immer parallel der Frieden schon vorbereitet werden müsse. So gebe es selbst im Südsudan und im Kongo immer auch Menschen, die sich für Dialog einsetzten. 

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck ergänzte, die Anwendung von Gewalt dürfe nur die letzte Möglichkeit sein. Um Konflikte zu befrieden, brauche es immer auch Menschen, die friedenswillig seien. Als Beispiel führte er das Land Kolumbien an, wo es seit über Jahrzehnten bewaffnete Konflikte gebe. 

Erst wenn Verzweiflung und Erschöpfung sich breit machten, könne es zu Friedensbemühungen kommen. So habe er jüngst bei seinem Besuch in dem südamerikanischen Land zwei Frauen kennengelernt, die sich einig gewesen seien, dass dieser schreckliche Kampf endlich aufhören müsse und entsprechend gehandelt hätten.


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