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Datum:
15. Mai 2026
Plädoyer für Demokratie

Bundeskanzler wirbt für politisches Engagement - Proteste im Saal

Schon vor dem Veranstaltungsort, dem Würzburger Congress Centrum, versammelten sich am Morgen wenige Hundert Menschen für Proteste gegen den Bundeskanzler. Während der Podiumsdiskussion wird Friedrich Merz dann im Saal von Rufen und Trillerpfeifen unterbrochen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wünscht sich mehr politische Beteiligung junger Menschen in Deutschland. “Wir brauchen junge Menschen, die sich engagieren”, sagte Merz am Freitag beim 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg. Er nehme wahr, dass die Bereitschaft, sich punktuell zu engagieren zugenommen habe. Die Bereitschaft, sich in der Breite über einen längeren Zeitraum einzubringen, sei jedoch zurückgegangen. Merz warnte: “Wenn keiner mehr hingeht, ist die Demokratie am Ende.” Der Kanzler warbt besonders dafür, einer politischen Partei beizutreten. Diese seien eine wichtige gesellschaftliche Stütze. “Ohne die politischen Parteien ist unsere Demokratie keine Demokratie mehr.”

Gleichzeitig zeigte sich Merz skeptisch in Sachen Herabsenkung des Wahlalters bei Bundestagswahlen. Er plädiere dafür, dass aktives und passives Wahlalter gleich sind. Die Verantwortung der im Bundestag zu treffenden Entscheidungen solle weiterhin an die Volljährigkeit gekoppelt bleiben. Ein niedrigeres Wahlalter auf kommunaler Ebene hieß der Kanzler hingegen gut.

Streit gehöre zur Demokratie dazu, betonte der CDU-Vorsitzende. “Aber der Streit muss zu Ergebnissen führen. Und vielleicht streiten wir im Augenblick zu viel”, zeigte er sich selbstkritisch. “In einer Diktatur geht es schneller, aber meistens falsch. Also lassen Sie sich uns mit unserer Demokratie versöhnen.” Die Bundesregierung und er seien angetreten, den Beweis zu erbringen, dass die politische Mitte Probleme lösen könne. 

Unterbrochen wurde die Podiumsdiskussion, an der neben Merz die geistliche Leiterin des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend, Lisa Quarch, und die Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, Amy Kirchhoff, teilnahmen, von Protesten mit Plakaten und Trillerpfeifen. Die Protestierenden kritisierten ihrer Ansicht nach zu geringe Anstrengungen der schwarz-roten Bundesregierung für Klimaschutz. Nach mehrmaligen Störungen machte sowohl Moderator Manuel Hartung, als auch das Publikum durch “Raus”-Rufe und Applaus deutlich, dass sie diese Form des Protests nicht gutheißen.

Merz betonte, die Bundesregierung verliere den Klimaschutz nicht aus den Augen. Es sei jedoch wichtig, die Mehrheit der Bevölkerung auf dem Weg mitzunehmen. Mit flächendeckender Deindustrialisierung werde das nicht gehen. Vielmehr müsse Deutschland in den Klimatechnologien führend auf der Welt sein, um Klimaschutz zu einem Geschäftsmodell zu machen, dass den Wohlstand des Landes sichere.

Quarch zufolge kommt von den Botschaften der Bundesregierung vor allem an, dass sie zu faul seien, dass sie mehrheitlich nicht das Land verteidigen oder keine Steuern zahlen wollten. Der Kritik am Kommunikationsverhalten nahm sich Merz an: “Ich weiß, dass ich in meiner Kommunikation etwas verändern muss, damit diese Botschaft besser verstanden wird.” Er versuche, den Menschen die Zukunftsangst zu nehmen und Optimismus zu geben. Auch angesichts von vielen Katastrophen gelte: “Es gibt Risiken, aber die Chancen sind größer.”


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