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Datum:
14. Mai 2026
Desinformation im Netz

Bischof Wilmer: "Wenn die Wahrheit auf dem Spiel steht, ist die Freiheit von gestern"

Künstliche Intelligenz, Desinformationskampagnen, Filterblasen - in den vergangenen Jahren haben die Herausforderungen im Internet zugenommen. Es brauche mehr Anstrengungen, um eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu schaffen, war eine Schlussfolgerung einer Diskussion auf dem Katholikentag.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, fordert eine “neue Intensität an Diskussionen in Deutschland”. Konkret bedeute das, “dass wir alle gemeinsam aufstehen, den Mut haben und Verantwortung übernehmen”, sagte Wilmer am Donnerstag bei einer Diskussion auf dem 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg. Dazu zähle auch, offen für das zu stehen, was man sagt. Der Bischof erinnerte hier an einen kräftigen Handschlag bei einer geschäftlichen Einigung, den er als Kind oft auf dem elterlichen Bauernhof miterlebt habe. Wilmer äußerte sich auf einem Podium zu Desinformation im Netz.

Zugleich hob er einen Gedanken des Philosophen Immanuel Kant hervor: “Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.” Dann sei es möglich, zwischen wahr und falsch zu unterscheiden. Fake News konterkarierten das. Und weiter: “Wenn die Wahrheit auf dem Spiel steht, ist die Freiheit von gestern.”

Der Meteorologe und ZDF-Journalist Özden Terli warnte: “Wenn Fakten nicht mehr ernst genommen werden, dann haben wir ein Problem.” Die Klimawissenschaft kenne das Phänomen schon seit den 1990er Jahren. Er stehe als Person für das ein, was er sage: “Ich arbeite journalistisch korrekt, ich arbeite wissenschaftlich korrekt. Warum sollte ich mich da rechtfertigen?” Das wäre, so Terli, “gelinde gesagt, etwas schräg”.

“Wie schaffen wir es, kaputtgeschossenes Vertrauen wiederherzustellen?”, fragte die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp. Die Menschen müssten in ihren Herzen erreicht werden. Klar sei dabei: “Du wirst nicht mit Mauern das Problem lösen.” Diskussionsformate, wie sie etwa Kirchen- und Katholikentage böten, seien eine gute Form. Dabei gelte auch, redlich mit unangenehmen Wahrheiten umzugehen. Beispielhaft nannte sie die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche.

Die CDU-Politikerin und Leiterin der Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der Coronapandemie, Franziska Hoppermann, beobachtet seit der Pandemie nach eigenem Bekunden verstärkt ein “intensives Abtauchen von Menschen in Filterblasen”. Diese Menschen seien dann schlicht nicht mehr erreichbar und es fehle eine gemeinsame Faktenbasis, auf der eine Diskussion stattfinden könne. Zugleich werde spätestens seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 “von außen unsere Art zu leben angegriffen”. Auf europäischer Ebene sei durch das Gesetz über Digitale Dienste, den Digital Services Act, zwar schon einiges geschehen, doch müsse auch politisch weiter nachgeschärft werden. Darüber hinaus brauche es eine bessere Strafverfolgung, bei Hass im Netz, Deepfakes und anderen strafrechtlich relevanten Vergehen. Als dritten Punkt machte sich Hoppermann für eine bessere Medienbildung stark. Hierbei sei es ihr jedoch wichtig, eine Lanze für die jüngere Generation zu brechen, die oft über eine bessere Medienkompetenz verfüge als ältere.

“Die Menschen sehnen sich nach vertrauensvollen Informationen”, betonte die geschäftsführende Vorständin von Wikimedia Deutschland, Franziska Heine. Daher sei es problematisch, wenn Menschen mehr und mehr Inhalte aus generativen Chatbots konsumierten. Diese würden zum einen nicht verifiziert und zum anderen nehme damit die Sichtbarkeit von vertrauenswürdigen Quellen im Internet ab. Heine machte auf alternative Plattformen aufmerksam, die man nutzen könnte, um intransparente Netzwerke zu umgehen. Damit verbunden war ihr Appell, “das Bequeme auch mal hinter sich zu lassen und das Unbequeme zu wagen”.


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