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Datum:
14. Mai 2026
Über Erfahrungsräume und Dazulernen

Juristin Büdenbender: Mehr Zuhören ist gefragt

Ohne Kompromisse kommt keine Gemeinschaft aus. Dazu gehört, dass die Menschen für die Argumente des anderen auch offen sein müssen.

Die Juristin und Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Elke Büdenbender, hat eine neue Gesprächskultur angemahnt. Auf dem 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg kritisierte sie am Donnerstag bei einem Podium die zunehmend polarisierte Art, wie inzwischen Auseinandersetzungen in den sogenannten Sozialen Medien geführt werden. Hilfreich wäre es, mehr Geduld zu zeigen und einander zuzuhören. “Nur wenn ich genau zuhöre, kann ich verstehen, was ein Kläger will oder eine Behörde sich gedacht hat“, sagte Büdenbender, die lange auch als Richterin an Sozialgerichten tätig war. Im besten Fall laufe es auf einen Kompromiss hinaus. Gerade solche brauche eine funktionierende Gesellschaft, denn niemand könne und dürfe die eigenen Vorstellungen und Ideologien absolut setzen. 

Als Beispiel führte die First Lady, die auch Schirmherrin der Hilfsorganisation Unicef Deutschland ist, eine Erfahrung in einer Schule in Sachsen an. Dort seien junge Leute gewesen, die zu rechtem Gedankengut neigten. Durch Zuhören und immer wieder Nachfragen mit “Warum?”, “Wieso?” oder “Wie kommst Du dazu?” ist es ihrer Ansicht nach gelungen, ihnen die Augen zu öffnen und sie zum Nachdenken anzuregen. 

Angesichts des unglaublichen Hasses, dem Frauen und marginalisierte Gruppen oftmals im Netz ausgesetzt seien, sieht Büdenbender gesetzlichen Handlungsbedarf. Alles werde reguliert, vom Alkohol über Drogen bis hin zur Literatur für Jugendliche, doch für diesen Raum stehe dies aus. Zur Verantwortung sollten in erster Linie die Plattformen gezogen werden, die solche Posts zuließen. Zudem müssten die IP-Adressen ermittelt werden können. Das Argument, dass damit die Freiheit eingeschränkt werde, teile sie nicht. Denn man müsse erwarten können, dass Menschen mit ihrer Freiheit auch verantwortungsbewusst umgingen.

Der Bischof von Fulda, Michael Gerber, sieht die Kirche herausgefordert, Erfahrungsräume für junge Menschen zu schaffen, die Mitgefühl fördern. Auch er plädierte dafür, einander mehr zuzuhören. So habe er durch den Synodalen Weg, das Reformprojekt der katholischen Kirche in Deutschland, neue Wahrnehmungen gewinnen können. Gerade das Gespräch mit queeren Menschen habe ihm geholfen, über das Thema differenzierter und wertschätzender zu reden als vorher. Deshalb brauche es den Diskurs über die eigene Blase hinaus. Dabei stelle er sich auch immer die Frage, wie er stille Stimmen zur Sprache bringe: “Wo bin ich ein Verstärker als Verantwortungsträger?” 


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