Pressemitteilungen
Der Linken-Politiker Bodo Ramelow spricht am Katholikentag über die Kraft, die die Kirchen auch im Osten Deutschlands haben können - auch wenn dort die meisten Menschen mit ihnen nichts am Hut haben.
Der Vizepräsident des Deutschen Bundestags, Bodo Ramelow, hat das Regierungsprogramm der AfD für Sachsen-Anhalt als das “kirchen- und gesellschaftsfeindlichste bezeichnet, das er je gelesen habe. Mit Appellen und Sonntagsreden könne man dagegen nicht anhalten, sagte der Linken-Politiker am Donnerstag am Würzburger Katholikentag. Vielmehr gelte es die Herzen der Menschen zu erreichen, um ihnen klarzumachen, was da gerade passiere. Umfragen sehen in dem Bundesland derzeit eine große Mehrheit für die AfD.
Ramelow, der von 2014 bis 2024 Ministerpräsident von Thüringen war, verwies darauf, dass in Ostdeutschland 75 Prozent der Menschen nichts mehr mit der Kirche am Hut hätten. Den 2022 stattgefundenen Katholikentag in Erfurt habe er als “kraftvollen Tag und sehr ökumenisch in Erinnerung. Dadurch, dass Katholiken und Protestanten jeweils in der Minderheit seien, sei es besonders schön gewesen, miteinander Glauben zu leben.
In den vergangenen Jahren habe er die Erfahrung gemacht, dass immer dann, wenn es darauf ankommen sei, alle in Solidarität zusammengestanden hätten; als Beispiel nannte er den Anschlag auf die Erfurter Synagoge 2000 oder das Massaker im Erfurter Gutenberg-Gymnasium 2002. Wenn die Gotteshäuser nach dem Amoklauf damals nicht offen gewesen wären, wäre das Ereignis kaum bewältigbar gewesen. Auch kirchenferne Menschen hätten das Angebot in Anspruch genommen. Ökumenische Gottesdienste hätten dort Kraft gespendet, wo Gewerkschaften versagt hätten. Das sei auch mit ein Grund gewesen, warum er sich entschieden habe, wieder in die Kirche einzutreten. Den Glauben habe er nie verloren, aber mit dem Bodenpersonal sei er nicht zufrieden gewesen.
Ramelow ging auch auf derzeitige Entwicklungen ein. Der digitale Avatar gelte auf einmal als Ersatz für den Menschen. Das persönliche Gespräch gehe dabei verloren. Deshalb seien Räume nötig, wo Menschen miteinander interagieren könnten. Der Katholikentag sei so ein Raum, auch Kirchengebäude sollten in diesem Sinne zur Verfügung gestellt werden: “Lasst uns Orte schaffen, nicht den Algorithmus entscheiden.
Der Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Söding, sagte, viele redeten derzeit vom Ende der Welt. Auch in der Bibel fehle es nicht an Weltuntergangspropheten, sagte der Neutestamentler. Glaube, Liebe und Hoffnung hätten das Christentum groß gemacht: Sagen, wozu man sich bekenne in klaren Sätzen, Liebe, sei es individuell oder anders. Hoffnung sei das, was im Moment am meisten fehle, aber gebraucht werde. Katholikentage könnten dazu beitragen, dies zu ändern.
Pressekontakt
Bei Fragen, Anmerkungen oder sonstigen Wünschen sind wir gerne für Sie da.
Rufen Sie uns einfach an oder schreiben Sie uns eine E-Mail:
Cosima Jagow-Duda
Abteilungsleitung Presse und Marketing
Tel.: +49 931 870 93 150
E-Mail: presse(at)katholikentag.de