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Datum:
14. Mai 2026
Kunst und Missbrauch

"Schmerzpunkt" - eine künstlerische Annäherung zum Thema Missbrauch

Seit 16 Jahren erschüttert und beschäftigt die katholische Kirche massiv das Thema Gewalt und Missbrauch in ihren Strukturen. Aus einem Kunstwettbewerb zum Katholikentag ist nun ein berührendes Projekt dazu hervorgegangen.

Wie kann man sich dem Thema Missbrauch künstlerisch nähern? Eine wahrhaft schwierige Aufgabe, der sich die Münchner Künstlerin Susanne Wagner gestellt hat. Mit ihrem Projekt “Schmerzpunkt” ging sie als Gewinnerin eines Wettbewerbs des Katholikentags hervor. Die Arbeiten von Wagner, die an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert hat, sind nun im Rahmen des 104. Deutschen Katholikentags in Würzburg an 15 Orten zu sehen.

Die 1977 geborene Wagner hat in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten die Verbildlichung des Schmerzes gestellt. Dabei bediente sie sich eines Bildes, das die meisten Menschen wohl aus dem medizinischen Bereich kennen. Denn Schmerz wird in der Medizin, sei es in Fachbüchern oder auf Verpackungen von Medikamenten oder Salben, meist über einen roten Punkt an bestimmten Körperstellen vermittelt. Das Zeichen “Schmerzpunkt” entsteht, in dem mit roter Farbe auf ein kleines Kreuz an einer Kette, das gerne Ministranten um den Hals tragen, gesprüht wird. Dabei werde imaginär eine Stelle markiert, die sich auf der Brust beziehungsweise nahe am Herzen einer Person befindet. Entfernt man das Kreuz, zeichnet es sich als Leerstelle innerhalb der roten Markierung ab.

Mit dieser stilisierten Schmerzdarstellung will Wagner das unbegreiflich Schreckliche des Missbrauchs sichtbar machen. Diese verweist nicht unbedingt auf einen konkreten Ort des Missbrauchs. Angebracht an Kirchen und anderen Orten sollen ihre Hinterglas-Werke aber die institutionelle Verantwortung deutlich machen sowie zugleich zur Solidarität und zum Handeln mahnen.

Die Intervention “Schmerzpunkte” versteht sich den Angaben zufolge als Teil der Erinnerungskultur und damit als Beitrag zur Aufarbeitung. Sie sei Ausdruck der Anerkennung erlittenen Leids und mahne Kirche und Gesellschaft, zu handeln und Missbrauch wirksam zu verhindern. Der Schmerzpunkt verzichte bewusst auf weiterführende Informationen darüber, welche konkreten Erfahrungen angesprochen werden. Diese Leerstelle solle die Offenheit und Intensität der Intervention erhöhen. Sie sei Ausdruck des Respekts vor individuellem Leid und vor den unterschiedlichen Weisen, wie Betroffene damit umgehen.

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp erklärte dazu, auch wenn es inzwischen Ermüdungserscheinungen und abnehmendes Interesse am Thema Missbrauch gebe, gelte es, sich in der Kirche weiter verstärkt mit der Perspektive der Betroffenen und der eigenen Verantwortung im Missbrauchs- und Vertuschungskomplex auseinanderzusetzen. “Unsere Maxime muss sein, dass wir als verantwortliche Akteure in der katholischen Aufarbeitung in unserem Engagement nicht nachlassen - in Solidarität mit den Betroffenen von sexualisierter Gewalt und im Interesse aller, insbesondere auch Kinder und Jugendlichen, die unsere Kirche als einen sicheren Ort erleben sollen.”

Mehr zu dem Kunstprojekt und an welchen Orten beim Katholikentag in Würzburg die Werke zu sehen sind, unter www.katholikentag.de/schmerzpunkt sowie www.susannewagner.com.


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