"Christen brauchen keinen Nationalismus"

Prof. Dr. Thomas Sternberg bei den DomGedanken

Christen können ihr Vaterland lieben, sich für Deutschland engagieren, aber die eigene Nation absolut zu setzen, ist unchristlich. Das sagt Prof. Dr. Thomas Sternberg. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) spricht im Rahmen der Veranstaltungsreihe DomGedanken.

Am Mittwoch, 5. September, widmet er sich ab 18.30 Uhr im münsterischen St.-Paulus-Dom dem Thema "Der Christ ist kein Nationalist". Warum, das begründet Sternberg so: "Ein Nationalist grenzt gegen andere ab, schließt andere aus." Die Verblendungen des Nationalismus seit dem 19. Jahrhundert hätten unfassbar grausame Kriege und Tod gebracht, die durch nichts zu rechtfertigen seien, ergänzt der ZdK-Präsident.

Deutschland sei zudem immer mit den anderen Ländern in Europa eng verbunden gewesen: "Eine Grundlage ist die gemeinsame christliche Geschichte und Kultur." Und so seien es nicht zuletzt Christen gewesen, die den europäischen Gedanken vor 60 Jahren befördert hätten. "Als überstaatliche, weltweite Kirche machen Katholiken keinen Unterschied zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft – auch über Europa hinaus", erklärt der Münsteraner und hat dafür eine Bibelstelle parat: "Im Neuen Testament sagt Jesus in der Gerichtsrede: 'Ich war fremd und ihr habt mich (nicht) aufgenommen'. Und als die Hörer fragen, wann sie ihn denn als Fremden gesehen hätten, gibt er die Antwort: 'Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.'"

Die Lehre Jesu Christi dränge Christen zum Dienst für Gerechtigkeit. Der Präsident der Laien-Katholiken erwartet deshalb ein Aufbegehren gegen den neuen Nationalismus, der nur auf die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung blickt und nicht die Abhängigkeiten von anderen wahrnimmt. "Christen wehren sich gegen die Behandlung von Flüchtlingen, von menschlicher Not als ginge es um Stahlimportquoten. Christen setzen sich für weltweite Gerechtigkeit ein."

Sternberg fordert noch mehr: "Christen wehren sich gegen pauschale Urteile über Menschen, Staaten und Religionen. Sie wollen den Dialog mit Anders- und Nichtglaubenden, mit denen, die zum engsten Zirkel gehören und mit denen, die aus welchem Grund auch immer am Rand stehen. Christen setzen sich ein für den Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum Tod, unabhängig von Leistungsfähigkeit und unabhängig von der Herkunft oder der Staatszugehörigkeit. Christen lernen von Jesus, was er in Wort und Tat vorgelebt hat: Das Leben als Dienst für andere, vorzugsweise für die Armen, zu leben."

Zu den DomGedanken

Unter dem Titel "Über Deutschland" finden noch bis zum 19. September jeweils mittwochs Vorträge statt. Persönlichkeiten aus Politik, Kirche, Kultur und Wirtschaft referieren über Herausforderungen und Visionen, beantworten Fragen und stellen Thesen auf. Die Vorträge werden von passender Musik begleitet. Im Anschluss lädt das Domkapitel als Veranstalter der Reihe zum Austausch mit dem Referenten ein.

Nach dem Vortrag von Prof. Dr. Thomas Sternberg gehen die DomGedanken am 12. September mit der Schriftstellerin Ulla Hahn weiter. Sie stellt sich der Frage "Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt?". Den Schlusspunkt setzt am 19. September Christian Kullmann aus Essen. Der Vorstandsvorsitzende der Evonik Industries AG spricht dann zum Thema "Für die freiheitlich-soziale Moderne – Verantwortungsethik als Schlüssel". Der Eintritt zu den DomGedanken ist frei.

Sämtliche Abende werden live im Internet übertragen. Interessierte können sie unter www.bistum-muenster.de, www.paulusdom.de, www.katholisch.de, www.kirche-und-leben.de sowie unter www.youtube.com/user/BistumMuenster/live verfolgen.

Foto: Katholikentag / Benedikt Plesker

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