"Jeden Tag neu fragen, was leisten wir für den Frieden?"

Interview

Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, freut sich unter anderem auf den "Austausch mit Menschen, theologische Debatten, gesellschaftspolitische Diskussionen".

"Suche Frieden" ist das Leitwort des Katholikentags: Was ist für Sie Frieden?

Frieden ist für mich die Erfahrung endgültiger Geborgenheit. Das Motto für den Katholikentag ist eine Zeitansage: Wir sollen den Frieden suchen – so wie es der Psalmist vor fast 2.800 Jahren geschrieben hat. Und der Vers geht ja weiter: "… und jage ihm nach." Unsere Sehnsucht nach Frieden ist damals wie heute so groß, dass wir ihm nachjagen. Den vollkommenen Frieden, den die Welt nicht geben kann, den finden wir im Blick auf Gott und in der Gemeinschaft mit ihm. Diesen göttlichen Frieden wünsche ich uns.

Und wo suchen (und finden) Sie ihn?

Der Begriff Frieden ist ja vielschichtig. Den Frieden Gottes, die Geborgenheit in Gott, suche ich im Gebet, in der Feier der Eucharistie. Aber es gibt ja auch den Frieden im Alltag: Was ist mein Beitrag für ein friedliches Miteinander in unserer Kirche, in der Gesellschaft, in meinem Arbeitsumfeld? Sind wir wirklich immer friedenstiftende Menschen? Und es gibt den inneren Frieden, der oft die Voraussetzung dafür ist, dass wir Frieden mit anderen suchen und finden können.

Es gibt auch in der Kirche viel Unfrieden – wie suchen Sie in diesem Zusammenhang den Frieden? 

Viel Unfrieden? Ich glaube, manchmal ist es mehr Unzufriedenheit. Wo Menschen miteinander zu tun haben, um Positionen ringen, da kann es zu Verletzungen, Frustration, ja auch zu Unfrieden kommen. Aber es ist ja nicht so, als sei die Kirche ein Hort des Unfriedens. Trotzdem: Wir müssen uns jeden Tag neu fragen, was leisten wir für den Frieden? Wir – gerade als Christen – haben eine Verpflichtung zum Frieden. Das meint Jesus, wenn er sagt: "Meinen Frieden gebe ich Euch!" Das sollte uns Auftrag und Richtung sein, uns von diesem Frieden Jesu leiten zu lassen. Auch in der Kirche. Die Kirche sollte stets ein Beitrag zum Frieden sein, nicht zum Unfrieden.

Der Katholikentag ist eine Veranstaltung der Laien in der Kirche. Wie fühlt man sich als Kardinal dort? Und auf was freuen Sie sich am meisten in Münster? 

Der Katholikentag wird zwar von den Laien veranstaltet, aber es ist doch ein Fest der ganzen Kirche, von Laien und Priestern, Gläubigen und Bischöfen. Schon seit meiner Zeit als junger Priester – damals mit Jugendlichen aus der Pfarreibesuche ich Katholikentage, die mich immer wieder angesprochen, ja inspiriert haben. Der Austausch mit Menschen, theologische Debatten, gesellschaftspolitische Diskussionen, aber gerade auch das geistliche Programm gehören dazu. Und diese Gelegenheit nutze ich, weshalb ich gerne auf Katholikentagen bin und möglichst aktiv bin, um den Menschen zu begegnen. Darauf freue ich mich besonders!

Reinhard Kardinal Marx freut sich auf den Katholikentag in Münster

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