Rückblick auf den Katholikentag

Kapuzinerbruder und Generakvikar beim "Klostergespräch"

Kapuzinerbruder und Generakvikar beim "Klostergespräch"

Rückblick auf den Katholikentag

Gut ein halbes Jahr ist es schon wieder her, dass das bunte und friedvolle Treiben des 101. Katholikentags in Münster das Bild der Stadt prägte. War das ein singuläres Ereignis oder schafft es der Katholikentag, mit seinen Impulsen über den Mai hinauszuwirken?

Diesen und weiteren Fragen sind der Kapuzinerbruder Paulus Terwitte aus Frankfurt und der Münsteraner Generalvikar Dr. Klaus Winterkamp während der Veranstaltungsreihe "Klostergespräche" vergangenen Freitag, 19. Oktober, im Kapuzinerkloster in Münsternachgegangen. Der Titel ihres launigen Gesprächs lautete: "Suche Frieden – der Münsteraner Katholikentag als bleibende Herausforderung für Kirche und Gesellschaft".

Winterkamp war als Beauftragter des Bistums Münster maßgeblich an der Planung und Durchführung des Katholikentags beteiligt. "Ich erinnere mich gerne daran", sagte Winterkamp, "meine Mitarbeiter haben mir einen immerwährenden Kalender mit Bildern des Katholikentags geschenkt. Ich kann mich also immer daran zurück erinnern, solange, bis ich sterbe.“

Mit dieser Erklärung brachte er das Publikum im gut gefüllten Musikzimmer des Kapuzinerklosters zum Lachen. Besonders die Eröffnungsveranstaltung auf dem Domplatz sei ihm in Erinnerung geblieben, die Stimmung auf dem Domplatz, die Rede des Bundespräsidenten, die ihn sehr beeindruckt habe, betonte der Generalvikar. "Da war die gute Stimmung des Katholikentags schon gesetzt, im Mikrokosmos auf dem Domplatz."

Bruder Paulus stellte die Frage, wie sich der Katholikentag gesellschaftlich ausgewirkt habe. Winterkamp verwies auf die Eröffnungsrede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier: "Das hat schon Zeichen gesetzt, dass er über die Bedeutung der Religion im öffentlichen Raum und über konfessionsübergreifende Ehen sprach. Aber machen wir uns nichts vor, die Wirkung ist heute nicht mehr so wie früher, als Bundeskanzler Konrad Adenauer noch vor 120.000 Menschen sprach. Wir leben in einer schnelllebigen Mediengesellschaft, in der Nachhaltigkeit keine Rolle mehr spielt", zeigte Winterkamp die Grenzen der Einflussmöglichkeiten des Katholikentags auf. 

Verändert habe sich auch das Auftreten der katholischen Kirche. Früher hätten die Katholiken mit einer Stimme gesprochen, es habe nur "die eine katholische Position" gegeben. "Auch hier haben sich die Zeiten deutlich gewandelt. Die Kirche ist das Spiegelbild einer total pluralen Gesellschaft", sagte Winterkamp. Und auch der Katholikentag habe diese Pluralität der Gesellschaft abgebildet. Die Katholiken sprächen nicht mehr mit einer Stimme. Auf das Einende der Kirche angesprochen erwiderte Winterkamp: "Heute ist es die Aufgabe der Kirche, zu moderieren. Die Kunst besteht darin, die unterschiedlichen Meinungen und Haltungen zusammen zu bringen." Und diese Spannung gelte es auszuhalten. "Unitas heißt nicht Uniformitas. Vielmehr gilt es eine Angebotspalette zu bieten, an der jeder andocken kann", sagte der Generalvikar.

Text und Foto: Bischöfliche Pressestelle / Jürgen Flatken

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