"Suche Frieden" – Katholikentag im Knast

Leitwort

Inhaftierte der JVA für Frauen in Vechta beschäftigen sich seit Jahresbeginn mit dem Katholikentags-Leitwort. Ziel ist ein 20-minütiges Theaterstück. Mitfinanziert wird das Projekt vom Landes-Caritasverband.

Von "Oase" ist die Rede, vom "Tor zum Chillen" und davon, wie gut es Ihnen tut, "hier" dabei zu sein. Hier, in dem Raum in einer der oberen Etage der Justizvollzugsanstalt für Frauen in Vechta, wo acht Frauen gespannt um einen Tisch sitzen, ihre Entlassung nahezu greifen können. Frauen aus dem "Offenen Vollzug" und Frauen, für die "An der Propstei 10 in Vechta" noch lange ihre Anschrift sein wird.

Seit Anfang des Jahres beschäftigen sich die verurteilten Frauen im Alter von 20 bis 60 Jahren an jedem Mittwoch von 13 bis 16 Uhr mit den beiden Worte "Suche Frieden" – dem Motto des Katholikentags in Münster. Sie überlegen, was der Friede mit ihnen zu tun hat:

"Wenn man tot ist, hat man Frieden", provoziert eine Frau südländischer Herkunft. "Oder was soll sonst Frieden sein?", beschreibt sie resigniert, dass man ja nur dann wirklich seine Ruhe habe. "Aber dann merkst Du ja nichts mehr davon", kontert eine Jüngere. "Ohne Drogen – das ist Frieden", setzt sie ihre Hoffnung dagegen. Die Frage, was für sie Frieden bedeute, hatten andere mit "gewaltfrei leben", "Komplimente" oder "Lob" beantwortet.

"Drei Stunden – so lange dauert normalerweise keine solche Einheit. Höchstens mal 90 Minuten", freut sich die stellvertretende Leiterin der JVA für Frauen, Petra Huckemeyer. Sie ist dankbar dafür, dass sich die Gefangenen erstmals in ihrer 26-jährigen Amtszeit haus- und abteilungsübergreifend erleben und kennenlernen – ausgelöst durch das Katholikentags-Motto.

"Was versperrt mir den Weg zum Frieden?" – Auf diese zweite Frage des Projekts antwortet eine junge Frau: "Die Familie: Dann, wenn sie in der Zeit der Haft nicht hinter mir steht." In dieser Gruppe dagegen sei man wie eine gute Familie geworden, schildern die Teilnehmerinnen. Im Alltag sei das Verhältnis nicht immer so harmonisch. Da könne es schon Neid oder gar Streit geben, nur weil jemand mal eine Scheibe Käse mehr auf dem Teller habe als die Nachbarin. Im Alltag sitze man auch schon mal in seiner Zelle, grüble und spüre seinen Suchtdruck. In dem multidisziplinären Kunstprojekt, wie es offiziell überschrieben ist, helfe man sich dagegen hin und wieder aus mit Tabak oder gebe einander ein tröstendes Wort "einfach so nebenbei", wenn jemand zum Beispiel vor einer Verhandlung stehe. Angeleitet wird die Gruppe durch Kunsttherapeutin Terez Fothy und Guilia Knorr, die alle Texte verantwortet. 

In die Figuren des künftigen Theaterstücks hineingeschlüpft – in Naomi, Friedolin oder die nachtaktive Hofftolie – "kann man sich auch mal öffnen", sagt eine junge Frau. Denn öffnen tue man sich im Alltag nicht immer. Wenn nach den kunstvoll gestalteten Masken auch die Kostüme und Gewänder fertig sind, wenn als dritter Teil ihres Theaterstückes die Fragen "Über welche Brücke kann ich gehen? Wo möchte ich ankommen im Blick auf den Frieden?" beantwortet sind, hofft die Gruppe, innerlich weiter zu sein. "Denn Frieden suchen wir ja alle."

Am Ende des Projekts soll ein etwa 20-minütiges Theaterstück stehen. Finanziell unterstützt wird die Arbeit durch den Landes-Caritasverband. Mitte November soll das Theaterstück neben mehreren Gästen auch Weihbischof Wilfried Theising, seit 2016 Offizial für den Offizialatsbezirk Oldenburg, vorgeführt werden. Wie und ob eine Aufführung auch während des Katholikentags im Mai 2018 möglich ist, gilt es aufgrund von verschiedenen Faktoren noch zu klären.

Textvorlage und Bild: Dietmar Kattinger, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Landes-Caritasverband für Oldenburg e.V.

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