"Nochmal so ein Wow"

Anne Hakenes leitet den Trägerverein des Katholikentags. Im Interview beschreibt sie dessen Aufgabe, wie sie die Diskussion um den Zuschuss der Stadt erlebt hat und welche Bitte sie selbst dem Papst abschlagen würde.

Frau Hakenes, Sie sind die Vorsitzende des Trägervereins des Katholikentags. Was ist Ihre Aufgabe? 

Ich bin das schon öfter gefragt worden. Und ich muss zugeben, ich habe es auch nicht gewusst, bevor ich das Amt annahm. Der Trägerverein ist in erster Linie für die Finanzen zuständig. Was in der Katholikentagsleitung und in den Arbeitskreisen erarbeitet wird, muss ja am Ende alles bezahlt werden. Und diese Finanzierung beschließt der Rechtsträger. Er ist also auch dafür zuständig, dass die benötigten Gelder alle zusammenkommen. Und er hat natürlich die Kontrolle darüber. 

Das hört sich jetzt nach vielen trockenen Zahlen an…

Natürlich haben wir mit vielen Zahlen zu tun. Gleichzeitig wird in den Sitzungen des Trägervereins das diskutiert, was schon in der Katholikentagsleitung Thema war. Wir beschäftigen uns deshalb vor allem mit den Inhalten des Katholikentags. Denn die Zahlen versteht man nicht, ohne die Inhalte dahinter zu kennen.

Die Finanzierung des Katholikentags war im Vorfeld sehr umstritten, gerade was die Frage des städtischen Zuschusses angeht. Wie haben Sie diese Diskussion erlebt?

Dass es so gelaufen ist, hatte mehrere Gründe. Der Zeitpunkt war schlecht. Im Vorfeld wurde Münster von extremen Regenfällen und Überflutungen heimgesucht. Außerdem standen die Oberbürgermeisterwahlen vor der Tür. Im Wahlkampf wird ja oft zugespitzt formuliert. Das ist aber alles vorbei. Jetzt müssen wir schauen, wie wir mit der Situation umgehen. Die Stadt gibt ja nur einen Sachkostenzuschuss. 

Und wie geht es weiter?

Die Verwaltung hat bis Ende 2017 Zeit, dem Rat einen Vorschlag zu machen, so lautet der Stadtratsbeschluss. Wir sind beim Katholikentag derzeit am Beginn der Erhebungsphase. Erst wenn diese vorbei ist, können wir Genaueres sagen. Ich bin aber insgesamt sehr optimistisch.

Sie kommen aus Münster. Was bedeutet der Katholikentag aus Ihrer Sicht für das Bistum?

Das ist eine ganz hervorragende Geschichte. Als ich noch nicht wusste, dass mich der Katholikentag persönlich betrifft, habe ich mich schon wahnsinnig darüber gefreut. Wir hatten ja schon ewig keinen Katholikentag mehr hier. Und es gibt im Bistum, jedenfalls nach meinen bisherigen Erfahrungen, eine große Resonanz und eine große Freude. 

Und was sollte der Katholikentag bewirken? 

In diesen wirklich schwierigen politischen Zeiten sollte der Katholikentag unter den Menschen ein Bewusstsein schaffen, dass man sich nicht nur in den Sessel setzen und zuschauen kann, was die Welt so macht. Die gesamte Gesellschaft ist gefragt und muss Stellung beziehen - gerade auch die Katholiken. Man muss für seine Meinung und seinen Glauben einstehen. Aber nicht, indem man andere runter macht. Vielleicht bringt der Katholikentag die Menschen dazu, neu darüber nachzudenken, wie sie persönlich mit ihrem Glauben umgehen. Vielleicht stellen sich ja viele die Frage: Was bedeutet mir Nächstenliebe und Barmherzigkeit?

Der Vorsitz des Trägervereins ist ein Ehrenamt mit viel Verantwortung. Mit was für einem Gefühl sind Sie da hineingegangen? 

Ich war sehr überrascht, als ich gefragt wurde und fühlte mich sehr geehrt. Für mich ist das, nach 25 Jahren ehrenamtlich im Stadtrat und in vielen Organisationen, die Krönung meiner Arbeit. Nochmal so ein Wow. Aber ich hab schon gesagt: Wenn der Katholikentag vorbei ist, kommt kein neues Ehrenamt mehr, selbst wenn mich der Papst persönlich fragt. Ich muss ja auch mal Zeit für Kinder und Enkel haben. 

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