"Frieden in seiner ganzen Tiefe"

Langsam aber sicher kommt die Programmplanung für den Katholikentag in Münster vom 9. bis 13. Mai 2018 in Fahrt. Stefan Vesper, der Generalsekretär des ZdK, spricht im Interview über die Programmvorbereitung.

Das Motto des Katholikentags 2018 in Münster ist „Suche Frieden“. Wurde, was die Programmgestaltung angeht, denn schon mit der Suche begonnen?

Ja. Unlängst tagte beispielsweise zum ersten Mal die Programmkommission. Der Einstieg war ein Vortrag von Professor Thomas Söding. Er deutet das Leitwort „Suche Frieden“ zum Einen als ein aktives Gehen, aber auch als einen Hilfeschrei, dass wir etwas brauchen. „Suche Frieden“ will zeigen, wohin wir als Christen wollen, aber auch, nach was wir uns als Christen sehnen. Besonders will es zeigen, dass wir als Christen eine Grundlage für ein solidarisches, faires Miteinander der Menschen in unserer Zeit anbieten können.      

Was ist die Aufgabe der Programmkommission?  

Dort laufen die Fäden der thematischen Vorbereitung zusammen. Auch wenn der Katholikentag alle zwei Jahre stattfindet, muss er sich doch immer wieder neu erfinden. Jedes Mal überlegen wir in den Arbeitskreisen, was in die Zeit hinein passt, wie man die Menschen beteiligen kann, die teilnehmen und wie besondere Akzente gesetzt werden. Das fängt jetzt an. Da beziehen wir auch viele Ehrenamtliche mit ein. Es ist ein Stück gelebte katholische Kirche. 

Die Programmplanung hat sich im Vergleich zu den vorigen Katholikentagen gewandelt: Was ist anders?

Das betrifft nur einen kleinen Teil des Programms, die 32 großen Veranstaltungen. Bisher wurden dazu von Verbänden, diözesanen Räten Vorschläge eingeholt. Jetzt haben wir in einem Themenkonvent zunächst selbst Themen entwickelt, die wir den Verbänden anbieten. Insgesamt geht es darum, dass wir alles, was von den katholischen Organisationen zum Thema „Suche Frieden“ kommt, soweit wie möglich in den Katholikentag integrieren wollen. Und die Programmkommission ist ein Koordinationsmechanismus, der schaut, welche Doppelungen gibt es und wie kann man Veranstaltungen attraktiver machen.

Wird sich der Katholikentag in Münster stärker auf das Leitwort fokussieren? 

Unser Wunsch ist, dass der Katholikentag vielleicht etwas weniger breit ist, aber doch eine Tiefe erreichen kann, die dieses Leitwort voll ausschöpft. Trotzdem soll das Ganze nicht zu einem außenpolitischen Fachkongress werden. Es geht nicht nur um Friedensfragen im engeren Sinne. Das Thema „Suche Frieden“ soll in seiner ganzen Breite entfaltet werden, bis hin zum Geistlichen, bis hin zum Menschlichen, bis hin zum Miteinander der Generationen. 

Der Katholikentag muss aber auch einen Spagat bewältigen zwischen dem Leitwort und den anderen Themen, die in der Kirche da sind und die behandelt werden wollen. 

Das Leitwort „Suche Frieden“ ist nicht so offen, wir die Leitworte anderer Katholikentage, es hat schon einen deutlicheren Akzent. Aber ich glaube, dass die großen Fragen, auch in der Kirche, die sich gerade stellen, immer mit diesem Thema zu tun haben. Wie die Frage, wie wir Versöhnung mit den wiederverheiratet Geschiedenen erreichen können und ihnen eine stärkere Beteiligung in der Kirche ermöglichen. Der Bezug zum Frieden ist immer evident. 

Rechnen Sie, wie bei früheren Katholikentagen, mit etwa 1000 Veranstaltungen in Münster? 

Das wird sich entwickeln. Wir wollen durchaus die Zahl der Veranstaltungen etwas begrenzen. Aber das muss sich natürlich im Rahmen halten. Denn die Menschen wollen im Katholikentag alle Formen: Sie wollen die Großveranstaltung, bei der man mit Tausenden zusammen ist, sie wollen die Podien mit 200 oder 300 Teilnehmern aber auch den Gesprächskreis mit 10, 15 oder 20 Leuten, wo es die Möglichkeit für den Einzelnen gibt, Themen tiefer anzuschauen. Der Katholikentag hat diese Bewegung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte immer stärker aufgegriffen, weil sie immer stärker nachgefragt wurde. 

Wie wird sich der Katholikentag in Zukunft verändern? 

Der Katholikentag entwickelt sich, auch wenn der Rahmen mit den fünf Tagen, einer Eröffnung und einem Hauptgottesdienst am Sonntag, gleich bleibt. Wir haben immer wieder verschiedene Formen neu eingebracht, wie in Leipzig ein Angebot für Nichtglaubende. So hat jeder Katholikentag eine eigene Dynamik und eine eigene Ausrichtung und manchmal auch eine andere Form. 

Inwiefern beschäftigt Sie das Leitwort „Suche Frieden“ persönlich? 

Es beschäftigt mich in vielen Dimensionen. Die kirchliche habe ich schon angedeutet. Die politische liegt auf der Hand: Wir sind in Zeiten großer Verunsicherung. Krieg führt dazu, dass viele Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Und die Flüchtlingsfrage wiederum beansprucht stark unser Land.  Die gesellschaftspolitische Situation ist von Populismus und Lüge und an manchen Stellen auch Hass geprägt. Des beschäftigt mich ebenfalls sehr. Und natürlich bewegen mich die menschlichen Fragen nach Sinn und Zukunft, nach einem gelingenden, guten Leben, wie alle anderen auch.                                                                                                                                                            Fragen: Thomas Arzner 

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