Die Kernbotschaft nicht aus dem Blick verlieren

ZdK-Präsident Thomas Sternberg ist überzeugt: "Wenn wir das Leitwort 'Seht, da ist der Mensch!' leben, dann wird der kommende Deutsche Katholikentag in Leipzig ein großartiges Ereignis mit Signalwirkung sein."

100 Deutsche Katholikentage – das ist ein großes Erbe. Als katholische Laien in Deutschland dürfen wir dankbar dafür sein, dass kluge und engagierte Köpfe im Revolutionsjahr 1848 den Entschluss fassten, ein erstes Treffen für die vielen zu veranstalten, die schon damals erkannt hatten, dass es ihr Recht und ihre Pflicht sei, als engagierte Christinnen und Christen an der Gestaltung des Gemeinwesens mitzuwirken, für die eigenen Belange einzutreten und in diesem Sinne Initiative zu ergreifen.

Katholikentage sind einzigartig. Die ab 1890 von den Päpsten propagierte Katholische Aktion rief zwar – insbesondere in Frankreich, Italien und Lateinamerika – ein vergleichbares Engagement hervor, doch wurde sie vom Klerus gesteuert. In Deutschland erlangte die Katholische Aktion kaum Bedeutung, da entsprechende Strukturen durch die zahllosen Vereine für Bildung, Caritas und Kirchenfreiheit bereits existierten. Dreh- und Angelpunkte dieses katholischen Vereinswesens waren und sind die Katholikentage, die von Beginn an von Laien getragen wurden.

Eine Erfolgsgeschichte

Die Geschichte der Deutschen Katholikentage war und ist trotz mancher Schwierigkeiten bis hin zu jahrelangen politisch bedingten Unterbrechungen eine Erfolgsgeschichte. Unzählige Vereine, Organisationen, Institutionen und Aktivitäten sind aus den Katholikentagen hervorgegangen. Viele von ihnen existieren bis heute. Sie prägen das Gesicht unserer Kirche in Deutschland, nehmen Teil am gesellschaftlichen Diskurs und wirken nicht selten über die Grenzen unseres Landes weit hinaus. Wie ein Brennglas bündelt und verdichtet jeder Katholikentag aufs Neue diese große Fülle und Vielfalt des Engagements katholischer Frauen und Männer in unserem Land. Für dieses großartige Engagement bedanke ich mich.

Zugleich ist jeder Katholikentag ein fünftägiges frohes Glaubensfest und Glaubensbekenntnis. Es gibt nicht viele Veranstaltungen auf der Welt, die hiermit vergleichbar sind. Ebenfalls charakteristisch für die Katholikentage ist es nämlich, dass sich hier alle treffen: Laien, Ordensleute und Priester, Frauen und Männer aller Generationen, Menschen, die unserer Kirche eng verbunden sind und solche, die eher auf der Suche sind, Christinnen und Christen der katholischen Kirche und aus anderen Konfessionen und Repräsentanten anderer Religionen, Menschen aus dem benachbarten Ausland und aus fernen Ländern anderer Kontinente. Das sind Katholikentage! Wir brauchen solche Katholikentage! Oder um es mit meinem geschätzten Vorgänger Prof. Hans Maier zu sagen: "Würde es die Katholikentage nicht geben, man müsste sie erfinden." Aber es gibt sie ja. Gott sei Dank! Und es sind lebendige Orte des Christseins in unserer Zeit.

Zweifache Perspektive

"Seht, da ist der Mensch!" So lautet das Leitwort unseres kommenden 100. Deutschen Katholikentags. Es ist ein richtungsweisendes Leitwort: Es könnte ebenso als Überschrift für die gesamte Katholikentagsgeschichte dienen. Schon immer haben die Menschen, die Katholikentage veranstaltet und daran teilgenommen haben, in zwei Richtungen geblickt. Auch in Leipzig wollen wir diese zweifache Perspektive einnehmen. Gemeinsam wollen wir auf Jesus Christus schauen, der für uns gekreuzigt wurde und auferstanden ist, der uns das ewige Leben im Reich seines Vaters verheißen hat, in das er uns vorangegangen ist. Unser Bekenntnis zu ihm bedeutet aber auch, dass wir in dieser Nachfolge den Blick nicht abwenden von all jenen, die unsere Unterstützung brauchen, für die wir uns stark machen sollen. Jesus selbst hat sich nach dem Zeugnis der Bibel (Matthäus 25,40) mit den Geringsten identifiziert. "Christ ist man für andere", hat der frühere Bischof von Limburg, Franz Kamphaus, nicht nur einmal gesagt. Erzbischof Heiner Koch formuliert: "Beim Leipziger Katholikentag sollen die Menschen zu Seh-Leuten werden."

Bei der Suche nach Antworten auf die zahlreichen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen unserer Gegenwart muss stets der Mensch im Mittelpunkt stehen. Der je einzelne Mensch, sein Wert und seine Würde müssen der Maßstab unseres Handels und Gestaltens sein. Genau darauf zielt das Leitwort ab und hierüber wollen wir beim Katholikentag sprechen. Unser Verständnis von dem, was der Mensch ist und worin seine Würde besteht, bestimmt, wie wir die Fragen der modernen Biologie und Medizin, der Wirtschafts- und Finanzwelt, der Sozialordnung, der Globalisierung, des Friedens und der Entwicklung, des Klimaschutzes und der Umwelt beantworten wollen.

Der 100. Deutsche Katholikentag fordert dazu auf, auf den Menschen zu sehen mit seinem Glück, seiner Sehnsucht, seinem Leid und seinen Sorgen und sich von diesem Menschen herausfordern zu lassen. Bei der Fülle an Veranstaltungen darf dies nicht aus dem Blick fallen: Mit seinem Leitwort lädt der Katholikentag alle ein! Gleich zu welcher Kirche, Religion oder Weltanschauung sie sich zählen. So können wir Impulse geben für Kirche und Gesellschaft. Beim Katholikentag dabei sein heißt, sich einreihen in die Tradition engagierter Laien, für die der Glaube mehr ist als eine Art große Familienfeier, ein Festival oder ein nur privates Gefühl.

Modern, vital, jung, pulsierend

Katholikentage in den Neuen Ländern sind nicht häufig: 1990 fand der 90. in der noch geteilten Stadt Berlin mit einer DDR statt, in der es erstmals demokratische Wahlen gegeben hatte. 1994 haben wir in Dresden die gewaltigen Aufgaben der Einheit zum Thema gemacht. Nun werden wir 2016 eine moderne, vitale, junge, pulsierende Stadt erleben können, die zeigt, was im Rahmen der Einheit geschafft wurde. Hier gehören 80 Prozent keiner Kirche an. Etwa vier Prozent der Bevölkerung sind Katholiken. Leipzig zeigt damit einen Grad an Entchristlichung, wie er im Westen zumeist noch nicht spürbar ist. Gleichzeitig aber wachsen die christlichen Gemeinden. Die beeindruckende Einladung Leipziger Katholiken um Bischof Koch in Bonn 2013 und beim Regensburger Katholikentag mit dem immer wiederkehrenden Refrain "Herzlich willkommen – wir warten auf Sie!" ist unvergessen – lassen wir sie nicht unbeantwortet.

Ich bitte Sie: Laden Sie zur Teilnahmen am Katholikentag ein! Motivieren Sie die Menschen in Ihren Diözesen, die Mitglieder in Ihren Organisationen, die Unterstützer Ihrer Arbeit in den kirchlichen Werken, die Besucherinnen und Besucher Ihrer Einrichtungen und Veranstaltungen! Werben Sie in der ganzen Breite und mit allen Mitteln und Medien, die Ihnen zur Verfügung stehen! Nutzen Sie hierfür all die Materialien, die Ihnen der Katholikentag gerne zur Verfügung stellt. Kontaktieren Sie die Geschäftsstelle, fragen Sie nach geeigneten Werbeprodukten, man hilft Ihnen dort gerne weiter.

Seien Sie mit dabei, wenn der Deutsche Katholikentag 2016 in Leipzig sein 100. Jubiläum feiert! Werden Sie Teil dieser Großveranstaltung und bringen Sie sich ein. So wird der 100. Deutsche Katholikentag unser gemeinsames Fest.

 

Auf www.zdk.de können Sie sich den Artikel auch als PDF herunterladen. 

 

 

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