Cool und mit Köpfchen

Interview

Im September 2015 haben vier junge Menschen ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Geschäftsstelle des 100. Deutschen Katholikentags in Leipzig begonnen. Damals erzählten Rebekka Schwarzer, Elisa Klingebiel, Kristin Heinecke und Jakob Reichert in einem Interview von ihren Erwartungen und Aufgaben. Heute – ein Jahr später – berichten sie von ihren Erfahrungen.

Freiwilliges Soziales Jahr beim Katholikentag – wie hat es Euch im Rückblick gefallen?

Jakob: Sehr gut. Ich bin froh über diese Chance, weil ich viel erlebt, viel Input bekommen, viele Menschen kennengelernt habe und mich weiterentwickeln konnte.

Kristin: Das kann ich so unterschreiben! Es war eine gute Erfahrung und es hat Spaß gemacht. Ich fand es interessant, hinter die Kulissen des Katholikentags zu schauen.

Rebekka:
Ich kann mich dem anschließen. Es war schön, aber auch anstrengend und hat mir im Rückblick viel gebracht. Ich konnte in diesem Jahr viel für die Zukunft entscheiden und bin froh, dass ich mich nicht gleich nach dem Abitur in einen Studiengang eingeschrieben, sondern beim Katholikentag Erfahrung gesammelt habe.

Elisa: Insgesamt fand ich es ziemlich cool. Ich würde es auch wieder machen, weil es etwas ganz Anderes war, nicht so ein typisches FSJ wie zum Beispiel in einem Kindergarten. Und man hat mal eine Großveranstaltung kennengelernt, das war schon beeindruckend.

Vor einem Jahr wusstet Ihr alle noch nicht genau, was Ihr im Anschluss an das FSJ machen wollt. Hat Euch die Zeit hier bei der Entscheidungsfindung geholfen?

Rebekka: Ja, man hatte einfach ein Jahr zusätzlich, um sich umzusehen. Wir hatten uns hier alle zum Beispiel auch für Eventmanagement interessiert und ich kann das jetzt zumindest für mich ausschließen. Ich weiß jetzt, dass ich Wirtschaftskommunikation studieren möchte.

Kristin: Mir hat es auch was gebracht, mehr Zeit zu haben. Ich habe das Gefühl, ich bin reifer geworden und habe mehr über mich gelernt. Zum Beispiel dachte ich immer, so ein Bürojob wäre nichts für mich, aber das war schon ziemlich cool. Daher habe ich beschlossen, mehr in die wirtschaftliche Richtung zu gehen. Das hatte ich vorher gar nicht auf dem Schirm.

Jakob: Der Vorteil beim Katholikentag war, dass man viele Berufsfelder kennenlernen konnte. Und viele Kollegen, die ganz unterschiedliche Berufe gelernt oder Studiengänge gemacht haben. Da gab es viel Input und man konnte ein bisschen ausloten, in welche Richtung es gehen könnte.

Elisa:
Ich denke schon, dass mir das weitergeholfen hat in meiner Entscheidung, Logistik und Spedition zu studieren, weil ich Einblicke bekommen habe, wie alles organisiert werden muss, wie alles zusammenpasst und so weiter. Ich kann jetzt völlig frei mit Firmen telefonieren, wo ich am Anfang gedacht habe: Oh mein Gott, kann ich das überhaupt? Darf ich das? Von daher hat es viel gebracht.

Wurden Eure Erwartungen erfüllt?

Rebekka: Wir hatten uns alle vorgestellt, dass der Zeitdruck sehr heftig werden würde während des Katholikentags und in der Vorbereitungsphase. Und es war dann auch ziemlich so, wie alle erzählt hatten. Allerdings hatte ich nicht erwartet, dass es bei mir im Teilnehmerservice so einen krassen Wechsel zwischen superhektischen und sehr ruhigen Phasen geben würde.

Jakob: Meine Erwartungen wurden im Grunde erfüllt. In meinem Bereich konnte man beobachten, wie das Arbeitsvolumen stetig anstieg und Monat für Monat alles konkreter wurde. Umso überraschender war dann, als mit dem letzten Tag des Katholikentags plötzlich alles vorbei war und fast keine Aufgaben mehr auf mich warteten.

Kristin: Ich hatte gar keine konkrete Erwartungen, weil es einfach etwas komplett Neues war und ich nicht wusste, was wirklich auf mich zukommt.

Elisa: Ich bin da völlig ohne Erwartungen rangegangen. Ehrlich gesagt, hatte ich gedacht, dass es noch etwas stressiger werden würde. Während des Katholikentags hatte ich dann aber Zeit, mal durch die Stadt zu laufen und zwischen den Ständen der Kirchenmeile zu bummeln. Oder ich konnte mich mal zwei Stunden mit meiner Familie treffen. Natürlich gab es auch diese richtig krassen, hektischen Phasen, aber manchmal war es einfach entspannt.

Was war während des Katholikentags Euer schönstes Erlebnis?

Jakob: Mein bestes Erlebnis hatte ich Sonntagmorgen beim Hauptgottesdienst, als ich oben im City-Hochhaus bei der Orga-Leitung dabei war. Ich fand es total spannend, diese Masse an Menschen von oben zu sehen, das war schon sehr beeindruckend.

Kristin: Das ist bei mir ähnlich. Am Donnerstag war die fliegende Orga-Leitung beim Fronleichnamsgottesdienst auch auf dem City-Hochhaus. Um 8 Uhr morgens bekamen wir dann einen Anruf: „Die Webcams gehen nicht!“. Da waren nur ich und ein Assistent da, sonst niemand. Also mussten wir da hinrennen. Das war schon stressig, aber dann da oben zwei, drei Stunden vor Beginn des Gottesdienstes zu sein und zu beobachten, wie sich der Platz füllt, das war ziemlich gut.

Elisa: Für mich war am schönsten, dass alles so geklappt hat, wie man das vorbereitet hat. Ich war ja vorher auch noch nie auf einem Katholikentag, von daher war das auch eine ganz neue Erfahrung. Und während des Katholikentags ist man einfach nur so durch die Straßen gelaufen und hat sich gedacht: Das habe ich vorbereitet! Das ist ziemlich cool.

Rebekka: Wenn ich zum Beispiel zur Arbeit gegangen bin und mir die ganzen Leute mit den grünen Schals entgegen kamen, hatte ich schon das Gefühl, die gehören jetzt hier dazu und das ist genau das, auf das man so lange gewartet hat. Und dass die Teilnehmer so zufrieden waren. In der Bahn haben viele gesungen. Beim Picknick am Samstagabend saßen fremde Leute zusammen und haben sich ein Paket geteilt. Und es hat so vieles so gut geklappt. Das lag größtenteils an der lockeren Stimmung, die die Teilnehmer mitgebracht haben.

Was würdet Ihr anderen jungen Menschen sagen: Warum lohnt sich ein FSJ beim Katholikentag?

Kristin: Es ist nicht das typische FSJ im Kindergarten oder im Krankenhaus und eine gute Erfahrung, wenn man in die soziale Richtung gehen will. Das FSJ wird ja auch angerechnet, wenn man zum Beispiel Soziale Arbeit studieren will oder generell beim Studium. Das ist definitiv eine Erfahrung wert. Ist halt mal was Anderes, was Neues.

Elisa: Weil Katholikentag auf die richtige Arbeitswelt vorbereitet, darauf, wie es später mal wird. 

Jakob: Man lernt ganz viele verschiedene Berufsfelder kennen und kommt mit vielen Leuten ins Gespräch. Und man lernt, wie so ein Event aufgebaut ist, wie es langsam wächst, wie man selbst daran teilhaben und sich einbringen kann.

Rebekka: In diesem FSJ ist viel Eigenverantwortung gefragt. Man bekommt eine Aufgabe und bearbeitet die dann selbstständig. Und diese Aufgaben verändern sich auch laufend, da sich das Projekt ständig verändert und du nicht jeden Tag das Gleiche machst. Es ist sehr abwechslungsreich. Man muss sich darauf einstellen, dass man hier und da viel stärker gefordert wird als bei anderen FSJ.

 

Das erste Interview mit den FSJlern können Sie hier nachlesen: Sonnenblumen und Sonderzüge

Auch für Münster suchen wir wieder engagierte FSJler. Wir informieren rechtzeitig auf unserer Website sowie über die Sozialen Netzwerke darüber. 

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