Sonnenblumen und Sonderzüge

Am 1. September haben vier junge Menschen ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Geschäftsstelle des 100. Deutschen Katholikentags in Leipzig begonnen: Rebekka Schwarzer, Elisa Klingebiel, Kristin Heinecke und Jakob Reichert. Wir sprachen mit ihnen über ihre Erwartungen, Aufgaben und das Leitwort des Katholikentags.

 
Warum habt ihr euch für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden?

Elisa: Mir ging es darum, einfach mal etwas anderes zu machen als Schule. Und ich möchte herausfinden, was ich anschließend machen kann. Ich habe schon ein Jahr studiert, aber das war nicht das Richtige. Und da hilft mir nun das Jahr dazwischen gut, um zu schauen, was ich danach machen will.

Rebekka: Ich wollte nach dem Abitur ein Jahr Pause vom Lernen machen und nicht gleich studieren und wieder lernen. Ich wollte erst mal was Praktisches machen.

Kristin: Ich habe mich ganz spontan dafür entschieden. Ich hatte die Anzeige gesehen und dachte: Das mache ich! Ein FSJ war eigentlich nicht direkt mein Plan, ich hatte mich auch für verschiedene Studiengänge beworben.

Jakob: Ich wollte, wie die anderen auch, die Entscheidung, was ich später mache, noch ein wenig hinauszögern. Ich hoffe, das hier herauszufinden. Ich hatte eigentlich auch kein FSJ vor, zumindest kein „klassisches“ in einem Altenheim oder Kindergarten, das ist nichts für mich. Aber dann habe ich auf der Website des Bistums Dresden-Meißen die Anzeige gelesen und mich beworben.

Was reizt euch an der Arbeit beim Katholikentag?

Rebekka: Die Arbeit hier ist etwas ganz anderes. Fast jeder, der ein FSJ macht, arbeitet in einem Altenheim oder Kindergarten. Diese FSJ sind sehr ähnlich und unterscheiden sich, soweit ich weiß, nicht sonderlich voneinander. Man lernt auch nicht wirklich eine ganz andere Welt kennen. Wir kennen schließlich Kindergärten und Schulen, und wie es im Altenheim abläuft, können wir uns auch vorstellen. Aber bei der Planung einer solchen Großveranstaltung wie dem Katholikentag weiß man nicht, was auf einen zukommt. Ich glaube, keiner von uns hat eine genaue Vorstellung davon, wie es werden wird. Es ist eben etwas ganz Neues und eine ganze eigene Welt.

Bitte beschreibt mal kurz, in welchen Bereichen ihr arbeitet und was ihr dort macht.

Jakob: Ich arbeite im Bereich Infrastruktur, genauer gesagt, in der Verkehrsplanung. Momentan kümmere ich mich um Sonderzüge. Es soll Sonderzüge geben, mit denen Katholikentagsbesucher bequem nach Leipzig reisen können.

Elisa: Ich bin im Bereich Shop und Einkauf tätig. Hier erstelle ich Rechnungen, bearbeite die Shopbestellungen und verschicke dann die Produkte, kümmere mich um Ausschreibungen und Aufträge. Und darüber hinaus fallen immer noch andere Tätigkeiten an.

Rebekka:
Ich mache das FSJ im Teilnehmerservice. Dort bin ich für die Zentrale und den Empfang zuständig und bearbeite die verschiedensten Anfragen rund um den Katholikentag. Ich helfe außerdem mit, die Datenbank zu aktualisieren und nehme Anmeldungen von Teilnehmern entgegen.

Kristin: Ich bin im Bereich Zentrale Dienste für IT zuständig. Wir richten die neuen Arbeitsplätze technisch ein, räumen dazu gerade viel um. Und wir sind der Notdienst, wenn jemand Probleme mit dem Drucker oder Telefon hat. Dann versuchen wir, das irgendwie zu retten.

Seid ihr bisher zufrieden mit eurer Arbeit?

Rebekka: Ja, ich bin schon ganz zufrieden. Ich bin froh, dass ich mir selbst aussuchen durfte, in welchem Bereich ich arbeiten will. Wenn ich das gemacht hätte, was Kristin macht, dann wäre ich gnadenlos untergegangen: Tische schleppen und Computer einrichten, das wäre gar nichts für mich gewesen.

Und was gefällt euch bisher am besten bei der Arbeit?

Elisa: Ich habe Sonnenblümchen gesät, die sind jetzt aufgegangen! Wir haben Blumensamen getestet, die wir vielleicht in unsere Produkt-Palette aufnehmen wollen, tja, und nun habe ich Sonnenblümchen.

Rebekka: Also mir macht es am meisten Spaß, wenn irgendjemand anruft oder schreibt, bei dem man merkt, dass er sich auf den Katholikentag freut und total motiviert ist.

Welche Erwartungen habt ihr an das Jahr hier in der Geschäftsstelle?

Elisa: Ich möchte auf jeden Fall herausfinden, was ich danach machen will.

Jakob:
Ich möchte einen Einblick in möglichst viele Bereiche bekommen. Es gibt ja so viele Bereiche, Arbeitsgruppen und Themen beim Katholikentag. Ich hoffe, so am Ende herauszufinden, was mir liegt.

Kristin:
Ich möchte einfach mal hinter die Kulissen des Katholikentags schauen. Es ist schließlich eine sehr komplexe Veranstaltung. Da denkt man als Teilnehmer oft gar nicht drüber nach. Man sieht zum Beispiel nur die Helfer, die sagen, dass die Halle überfüllt ist. Aber man weiß gar nicht, was alles im Hintergrund läuft.

Rebekka: Ich glaube, wir haben nicht unbedingt riesengroße Erwartungen, sondern wir gehen das jetzt einfach mal an und schauen, wie’s wird. Keiner von uns hat jetzt im Kopf: Das wird auf jeden Fall so oder so werden.

Was verbindet ihr persönlich mit dem Leitwort des Katholikentags „Seht, da ist der Mensch“?

Elisa:
Es geht darum, dass man sich auf den Menschen als Mensch besinnt, dass man den Menschen sieht, wie er wirklich ist, und nicht, wie er sich darstellt. Es geht darum, dass man sich nicht nur auf sich selbst bezieht, sondern auch auf andere Menschen eingeht. Dass man nicht die ganze Zeit herumläuft mit der Einstellung „Ich bin so toll“, sondern dass man auch schaut, wie es den Menschen um einen herum geht.

Kristin: Ich denke, dass das Leitwort die Menschen hier in Leipzig etwas mehr anspricht, als eines, in dem das Wort Jesus vorkommt. Einfach, weil sie dann sehen, dass es beim Katholikentag um den Menschen geht und um ganz viele verschiedene Themen, auch politische oder gesellschaftliche.

Rebekka:
Es war ja Pontius Pilatus, der Jesus als Menschen herabgestuft hat, weil er ihn demütigen wollte. Wenn wir das als Gläubige hören, dann bringt uns das Jesus näher. Wenn wir uns auf dieses Menschliche anstatt das Göttliche in ihm besinnen – Jesus als Mensch unter Menschen –, dann wird der Glaube für uns leichter zu erfassen und leichter zu leben. Und das will der Katholikentag ja erreichen: Dass Glaube gelebt wird – gerade hier in Leipzig, das ja nun wirklich nicht katholisch geprägt ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

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