Neu beflügelt dank Katholikentagspreis

Interview

Das Mentoring-Programm für Studentinnen mit Behinderung des Hildegardis-Vereins erhielt 2014 den Preis der Deutschen Katholikentage, den Aggiornamento-Preis. Birgit Mock, Geschäftsführerin des Vereins, berichtet über die Erfolge des Programms und darüber, wie sich die Auszeichnung auf die Arbeit des Vereins auswirkte.

2014 wurde das Mentoring-Programm Ihres Vereins mit dem Preis der Deutschen Katholikentage ausgezeichnet. Was hat es mit dem Programm auf sich?

Das Mentoring-Programm des Hildegardis-Vereins ist die erste bundesweite Initiative, die angehende Akademikerinnen mit Handicap in ihrer Studien- und Berufsplanung berät. Mit dem Mentoring orientieren wir uns an den Stärken, nicht an den Schwächen der Studentinnen. Wir wollen Brücken bauen zwischen Menschen mit und ohne Handicap sowie Verbindungen schaffen von der Hochschule in die Arbeitswelt. Im Rahmen des Programms wurden insgesamt 60 Studentinnen jeweils ein Jahr von berufserfahrenen Persönlichkeiten mit akademischem Abschluss begleitet, von denen die meisten selbst mit einer Behinderung leben. Das Programm war ein voller Erfolg. Wir haben beeindruckende Frauenbiografien erlebt. Bei uns im Programm haben Akademikerinnen verschiedener Fachdisziplinen, die eine blind, die andere Rollstuhlfahrerin, wieder eine andere mit einer Hörbeeinträchtigung und eine vierte mit einer unsichtbaren chronischen Erkrankung zusammengearbeitet, mit dem Ziel, sich mit den eigenen Kompetenzen in Wissenschaft, Gesellschaft und Kirche einzubringen. In der Begegnung mit den anderen Lebensgeschichten haben die Teilnehmerinnen des Projektes, und das kann ich auch für mich selbst sagen, sehr eindrücklich profitiert.

Wie sind Sie damals auf die Ausschreibung aufmerksam geworden?

Wir haben von der Ausschreibung über die Kanäle des Zentralkomittees der deutschen Katholiken erfahren, dort wurde der Preis auf den Vollversammlungen angekündigt und in vielen Einzelgesprächen beworben.

Wie hat sich die Preisverleihung auf Ihre Arbeit und Ihren Verein ausgewirkt?

Die Preisverleihung hat uns sehr viel bedeutet. Wir haben in Regensburg richtig gefeiert und viele unserer Projektteilnehmenden waren mit dabei. Das war das Schönste daran: Der Preis ist ja ein Preis für alle, die hier fünf Jahre lang intensiv ein tolles Projekt auf die Beine gestellt haben. Sie haben damit in all den vielen Begegnungen auch eine Botschaft in die Gesellschaft getragen: Das Leben ist vielfältig, es braucht faire Rahmenbedingungen für unterschiedliche individuelle Voraussetzungen. Und eine verbesserte Bildung sollte immer auch einhergehen mit der Ermutigung, sich selbst etwas zuzutrauen. So hat der Preis das Projekt nochmals richtig beflügelt.

Was erhoffen Sie sich vom Jubiläumskatholikentag im nächsten Jahr?

Leipzig wird ein toller Katholikentag werden! Was für eine herzliche Einladung haben wir von der Leipziger Vorbereitungsgruppe beim Abschlussgottesdienst des Regensburger Katholikentages erhalten. Ich erhoffe für Leipzig viele Besucherinnen und Besucher, die mit ihren Fragen und Angeboten, mit ihren Ständen und Veranstaltungen ein Forum bilden für die drängenden Fragen unserer Zeit. Ich freue mich aber auch schon jetzt auf die spirituellen Angebote. Und ich wünsche mir für die Tage in Leipzig das, was man am wenigsten selbst in der Hand hat: gutes Wetter.

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