Müntefering: Junge Menschen sollen in der Politik mitmischen

Programmheft S. 90

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Müntefering: Junge Menschen sollen in der Politik mitmischen

Jugend/Gesellschaft


Der frühere SPD-Chef Franz Müntefering hat junge Menschen aufgerufen, sich stärker politisch zu engagieren. Bei den Parteien sei Vieles zu verbessern, "aber das geht nur, wenn die Jugendlichen sich beteiligen", sagte er beim 101. Deutschen Katholikentag am Samstag in Münster. Die neuen Medien führten dazu, dass die Parteiarbeit noch schwerer und Parteien unattraktiver würden, räumte der 78-Jährige ein. Früher sei die monatliche Parteiversammlung im Ortsverein interessant gewesen, weil man dort Neues erfahren konnte. "Heute wissen alle alles schon, alles besser und haben auch schon eine Meinung dazu." Doch sollten die jungen Leute dorthin gehen, "auf den Tisch hauen und sagen, so, darüber wollen wir jetzt reden“, so der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO). Ebenso wünsche er sich, dass "in den Köpfen und Herzen" der Jüngeren ein Gefühl dafür da sei, ihr Land und auch Europa nach vorne zu bringen.
 
Besorgt zeigte sich Müntefering über die Zukunft des Bundestags. Mit jetzt "sechseinhalb Fraktionen – mit der CSU" sei die Politik in der Gefahr, sich zu verzetteln. Die Parteien hätten kaum noch in der Bevölkerung die Möglichkeit, sich zu bündeln. "Mir geht es nicht um die Rettung der Parteien, sondern um die Rettung des Bundestags, dass hier wieder wichtige Debatten stattfinden", sagte der SPD-Politiker. Bedenklich sei auch, dass Frauen und jüngere Menschen im Parlament deutlich unterrepräsentiert seien. Er hoffe deshalb auf eine Reform des Wahlrechts.
 
Weiter hob Müntefering hervor, ein Streben nach Gerechtigkeit unter den Generationen sei wichtig, könne aber nicht ohne Rücksicht auf die jeweils anderen durchgesetzt werden. "Die Grundfrage ist, welche Bildung, Qualifikation und Perspektive wir den jungen Menschen bieten." Jährlich blieben 60.000 Jugendliche ohne Schulabschluss. "Wir geben zu viele auf, die ohne Ausbildung bleiben." Hier müsse deutlich mehr getan werden.
 
Zugleich gebe es in Deutschland Menschen, "die sittenwidrig verdienen und sittenwidrig wohnen", kritisierte der Politiker. Manche Chefs in großen Finanzunternehmen "bekommen – nicht verdienen - 600 Mal so viel wie eine Krankenschwester", prangerte Müntefering an. "Da muss man ran, auch mit einer Erbschafts-, Vermögens- und Finanztransaktionssteuer."
 
 
 

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