Missbrauchsbeauftragter Ackermann: "Mir stockt immer wieder der Atem"

Programmheft S. 162

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Missbrauchsbeauftragter Ackermann: "Mir stockt immer wieder der Atem"

Kirche/Missbrauch

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, hat erklärt, dass ihm beim Bekanntwerden von neuen Missbrauchsfällen "immer wieder der Atem stockt". "Es tun sich immer neue Abgründe auf", sagte Ackermann am Samstag beim Katholikentag in Münster. Es sei schrecklich zu sehen, welche Folgen derartige Übergriffe für den einzelnen Menschen, aber auch für seine Familie hätten.

Selbstkritisch räumte der Trierer Bischof ein, die Kirche habe sich anfangs sehr schwer getan, sich der Auseinandersetzung mit Missbrauch zu stellen. Innerhalb der Kirche seien die Priester die entscheidende Gruppe, die sexuelle Gewalt ausgeübt hätten. Angesichts dessen, dass Geistlichen ein so großer Vertrauensvorschuss entgegengebracht werde und sie ein Ideal leben sollten, sei es für die Kirche sehr schwer gewesen, damit umzugehen. "Es öffnet sich ein Gruselkabinett", so Ackermann. Da hilft es auch nicht zu sagen, dass sich statistisch gesehen die meisten Missbrauchsfälle im familiären Umfeld ereigneten. "Das macht es alles nicht besser", so der Bischof. Gerade bei den bekanntgewordenen Missbrauchsfällen in Chile sei klar geworden, dass es weiter gelte, misstrauisch auch in den eigenen Reihen zu sein.

Matthias Katsch vom Eckigen Tisch erklärte, es habe sich in den vergangenen Jahren in Bezug auf die Aufarbeitung und Prävention in der katholischen Kirche sehr viel getan. So mache es ihm Mut zu sehen, wie Papst Franziskus mit dem Thema umgehe. Gerade im Fall der bekanntgewordenen Missbrauchsfälle in der Kirche in Chile sei dies deutlich geworden. Franziskus habe sich dafür entschuldigt, dort nicht ausreichend hingehört zu haben. Demnächst will der Papst mit 33 chilenischen Bischöfen über die dortigen Fälle reden.  In der Initiative Eckiger Tisch haben sich Missbrauchsopfer zusammengeschlossen, die an katholischen Schulen Missbrauch erfahren haben.

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