Püttmann kritisiert Auftritt eines AfD-Politikers beim Katholikentag

Programmheft S. 89

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Püttmann kritisiert Auftritt eines AfD-Politikers beim Katholikentag

Medien/Parteien

Der Bonner Politikwissenschaftler Andreas Püttman hat den Auftritt eines AfD-Politikers beim Katholikentag scharf kritisiert. Die Kirche stehe für große Pluralität, „aber es ist nicht die wichtigste Aufgabe einer Kirche, jederzeit das Gespräch aller mit allen über alles zu organisieren, sondern sie hat Zeugnis zu geben von Jesus Christus“, sagte er am Samstag in Münster. 

Püttmann äußerte sich beim Podium „Journalismus in Zeiten von Hassmails und Shitstorm. Die Rolle der Medien und die Suche nach Frieden“. Der Wissenschaftler berichtete von regelmäßigen Anfeindungen gegen sich im Internet mit faschistischem Inhalt bis hin zu Todesdrohungen. Er habe sich damit auch schon an Verfassungsschutz und Polizei gewandt, „aber es geht regelmäßig wie das Hornberger Schießen aus“. Wenn solche Mails etwa im Internetcafe geschrieben würden, seien sie nicht nachzuverfolgen. „Im Grunde haben die Täter Narrenfreiheit. Im Moment stehen wir solchen Tätern wehrlos gegenüber“, sagte Püttmann.

Der Chefredakteur von ARD-aktuell, Kai Gniffke, berichtete, seine Redaktion erhalte täglich rund 12.000 Kommentare. „Was strafbar ist, verfolgen wir und rümpeln wir sofort raus.“ Mitunter würden Kommentare gelöscht und Absender gesperrt. Doch bedeute dies eine Gratwanderung, da die ARD mit dem Publikum ins Gespräch kommen wolle. Auch er erhalte persönliche Anfeindungen, sagte Gniffke. Anfangs habe ihn „zutiefst überrascht“, wie viele Menschen sich mit Klarnamen äußerten, „die dir dann den Tod androhen“, so der Journalist. „Es zeigt, dass immer mehr Hemmschwellen gefallen sind.“ Die meisten „ducken sich weg“, wenn man sie auffordere, die Drohungen persönlich zu wiederholen. „Oft kommt es aber auch zu einem zivilisierten Diskurs. Auch diese Seite gibt es“, so der Chefredakteur.

Der Chefkorrespondent der Mediengruppe DuMont, Joachim Frank, kritisierte, inzwischen gebe es den Reflex: „Am Schluss sind immer die Medien schuld“. Das ziehe sich „durch die politische Debatte". Natürlich sollten Journalisten selbstkritisch sein, hob der Journalist hervor. „Aber wenn Bayerns Innenminister Herrmann sich am Wahlabend ins Fernsehen setzt und sagt, die Journalisten haben die AfD groß gemacht, dann gibt’s, finde ich, ein Problem in der öffentlichen Debatte.“

Dieses Phänomen gebe es auch in der Kirche, so der Chefkorrespondent. So habe der damalige Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller zu Beginn des Missbrauchsskandals gesagt, das sei „eine Verfolgung durch linke Presse wie unter Göbbels“, zitierte Frank. Mit Hilfe dieses Mechanismus müsse man sich nicht mit sich selbst beschäftigen, sondern am Ende seien „immer die Journalisten schuld“, beklagte er. „Ich kann es nicht mehr hören!“

Püttmann berichtete, er habe auch von rechtsgerichteten Kräften in der Kirche organisierte „Shitstorms“ erlebt. „Wir haben das auch in der Kirche, dass eine radikale Minderheit versucht, der Mehrheit ihre Agenda aufzudrücken. Das dürfen wir nicht geschehen lassen“, betonte der Katholik. Er rief zu einer „Militanz der Mitte“ auf, die entschlossen für ihren Standpunkt eintreten sollte.

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