Mazyek fordert mehr Unterstützung im Kampf gegen Antisemitismus

Programmheft S. 106

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Mazyek fordert mehr Unterstützung im Kampf gegen Antisemitismus

Gesellschaft/Religion

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, fordert mehr Unterstützung von der Politik im Kampf gegen Antisemitismus. "Es gibt eine Reihe von kleinen Pflänzchen, etwa Schulprojekte oder KZ-Besuche, die wir bereits in Kooperation mit jüdischen Vertretern ins Leben gerufen haben - die aber häufig ignoriert werden", sagte Mazyek am Samstag auf dem 101. Deutschen Katholikentag in Münster. Jeder Angriff auf eine Moschee, auf einen Tempel, auf eine Minderheit sei "immer ein Angriff auf die Gesellschaft und auf uns". Mazyek betonte: "Ich kann nicht feststellen, dass die anderen muslimischen Verbände da eine völlig konträre Position haben, das ist Konsens."

Rabbiner Walter Homolka, Vorsitzender der Union progressiver Juden in Deutschland, erklärte: "Man kann mit Fug und Recht sagt, dass es in Deutschland einen Bodensatz von 20 Prozent von latentem und aggressivem Antisemitismus immer gegeben hat." Aber durch die sozialen Medien bekomme das inzwischen eine größere Öffentlichkeit. "Wenn die Gesellschaft an einer Renaissance des jüdischen Lebens interessiert ist, dann ist das Gift", sagte der Rektor des Rabbinerseminars Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam. Zugleich hob er hervor, dass die jüdische Gemeinschaft in Deutschland viel Solidarität erfahre.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, warnte auch mit Blick auf den Antisemitismus vor einer antimuslimischen Stimmungsmache. Zwar gebe es ohne Zweifel islamisch geprägten Judenhass, aber der Blick in die Kriminalstatistik zeige, dass etwa 80 Prozent der antisemitischen Straftaten in Deutschland von Nichtmuslimen begangen würden. "Man darf nicht Problemlagen in einer Gesellschaft einfach auf die Religion übertragen", so Sternberg.

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