Streit um bayerischen Kreuz-Erlass setzt sich auf Katholikentag fort

Programmheft S. 106

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Streit um bayerischen Kreuz-Erlass setzt sich auf Katholikentag fort

Gesellschaft/Parteien/Religion

In der Debatte um die Kreuz-Pflicht in bayerischen Behörden hat Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Verständnis für kritische Argumente von Kirchenvertretern geäußert. "Es ist völlig richtig, wenn die Kirchen sagen, man müsse das Kreuz auch mit Leben füllen - das sehe ich absolut genauso", sagte Herrmann am Samstag auf dem 101. Deutschen Katholikentag in Münster. Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hatte sich entsprechend geäußert. Herrmann sagte, er habe "die ganze Aufregung" um den sogenannten Kreuz-Erlass, an dessen Kabinettsvorlage er mitgearbeitet hat, nicht verstanden. Das Kreuz grenze nicht aus, sondern sei "ein Zeichen der Nächstenliebe, der Liebe Jesu zu allen Menschen".

Dem widersprach der Grünen-Politiker Volker Beck: "Die Idee, dass das Kreuz nicht ausgrenze, ist Ihre ganz persönliche Meinung." Unter dem Kreuz seien etwa Juden verfolgt worden. Beck, der bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 2017 langjähriger religionspolitischer Sprecher seiner Fraktion war, warf der bayrischen Staatsregierung vor, mit dem Kreuz "Identitätspolitik" zu machen. Damit werde es "zu religiöser Folklore degradiert, wie der Osterhase".

Zuvor hatte der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, auf dem Katholikentag Unverständnis für die Vorwürfe von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) geäußert. Dieser wiederum hatte im "Spiegel" (Samstag) Marx' Kritik am sogenannten Kreuz-Erlass kritisiert. Marx erklärte: "Es gibt keine Veranlassung für mich, etwas gegen Kreuze im öffentlichen Raum zu haben." Er plädiere lediglich dafür, dass der Staat in diesem Bereich nicht allein aktiv werden solle, sondern am besten mit den Kirchen zusammen. 

 

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