Arbeitsminister Heil: Ausbeutung durch Digitalisierung verhindern

Programmheft S. 88

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Arbeitsminister Heil: Ausbeutung durch Digitalisierung verhindern

Ausbeutung durch Digitalisierung zu verhindern, ist für Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) eine zentrale Aufgabe von Arbeitsmarktpolitik. Digitalisierung, Big Data und anderes seien mit einem riesigen Produktivitätszuwachs verbunden, sagte Heil am Samstag beim Katholikentag in Münster. Staat und Gesellschaft müssten aber klare soziale Rahmenbedingungen dafür aufstellen.

Namentlich nannte der SPD-Politiker den britischen Online-Lieferdienst Deliveroo, wo Fahrer etwa ihr Rad und Smartphone selbst mitbringen müssten. Kurzfristige Verträge mit ohnehin schlechten Bedingungen würden gekündigt und die Angestellten durch Freelancer ersetzt. "Da verwechseln einige offenbar Digitalisierung und Ausbeutung", so Heil.

Der Minister sprach sich dafür aus, Weiterbildungsmaßnahmen massiv zu fördern, damit Arbeitnehmer in Innovationsprozessen den Anschluss nicht verlieren. Seine langfristige Idee sei, nicht nur Arbeitslosigkeit nachträglich zu bekämpfen, sondern durch Fortbildung vorzubeugen. Diese Aufgabe sei nicht einfach; es gelte, entsprechende Experimentierräume zwischen Gesetzgebern, Arbeitgebern und Gewerkschaften auszuhandeln.

Hilmar Schneider vom Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit sagte, die Angst, dass Menschen durch Roboter und Maschinen überflüssig gemacht werden, sei so alt wie falsch. Neue Verhältnisse riefen immer auch neue Bedürfnisse hervor und damit neue Arbeitsplätze. Die Annahme sei falsch, dass mit neuen Mitteln nur alte Bedürfnisse befriedigt werden müssten. Als Beispiel nannte Schneider, wenn Kinder am Urlaubsort selbstverständlich Internetverbindungen erwarteten - "sonst glauben sie, sterben zu müssen".

In der Befreiung von mechanischer, routinierter und regelgebundener Arbeit liegt nach den Worten Schneiders die Chance zu "mehr Menschsein", zu mehr Kreativität, Verantwortung, Interaktion und Selbstverwirklichung. Digitalisierung sei also nicht nur gefährlich. - Heil und Schneider äußerten sich beim Podium "Digitale Arbeitswelt 4.0 – Chancen und Gefahren für eine menschenwürdige Zukunft".

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