Giffey: Bildungsferne ist unser größtes Problem

Programmheft S. 133

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Giffey: Bildungsferne ist unser größtes Problem

Bildung/Jugend/Armut

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sieht Bildungsferne als zentrales Problem bei der Bekämpfung von Armut an: „Vielen Kindern wird nicht vorgelesen, sie kommen schon mit Sprach- und Entwicklungsstörungen in die Schule“, sagte Giffey am Samstag auf dem Katholikentag in Münster.

Armut dürfe nicht nur mit der Verteilung von Geld bekämpft werden, sondern auch durch den Zugang zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe. Große Themen wie Vollbeschäftigung, die NATO oder die EU seien ebenfalls wichtig, sagte Giffey. Allerdings seien die Bildung Jugendlicher und die Bekämpfung von Jugendarmut als „Kernthemen für die Entwicklung unseres Landes“ die Grundlage für alles andere. Die beste Vorbeugung vor Kinderarmut seien arbeitende Eltern: „Kinder wollen auch stolz auf ihre Eltern sein“, sagte Giffey. Es sei etwas anderes, von seiner Arbeit leben zu können, als sagen zu müssen: „Ich bin ein Aufstocker.“

Der Politikwissenschaftler und Armutsforscher Christoph Butterwegge sagte, die Bundesrepublik produziere Obdachlosigkeit. Jugendliche im Hartz-4-Bezug würden bei Sanktionen „besonders hart angefasst“. Nach zwei Verstößen komme es zu einer „Totalsanktion“, bei der auch die Zahlungen für Miete und Heizkosten eingestellt würden. Nicht nur diese „absolute Armut“ sei Armut, betonte Butterwegge: „Wir haben keinen Grund für diesen steinzeitlichen Armutsbegriff.“ In einem reichen Land wie Deutschland sei Armut auch mit sozialer Ausgrenzung verbunden. Arme Menschen in Deutschland könnten sich vieles nicht leisten, was für die meisten normal sei. Butterwegge forderte, die „Prekarisierung der Arbeitswelt“, etwa durch die Hartz-4-Reformen, zu beenden.

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