Klimaforscher Edenhofer mahnt Bepreisung von CO2 an

Programmheft S. 127

Programmheft S. 127

Klimaforscher Edenhofer mahnt Bepreisung von CO2 an

Umwelt/Klima

Der Klimaforscher Ottmar Edenhofer hat die Bundesregierung zu konkreten Maßnahmen zur Bepreisung des Klimakillers Kohlendioxid aufgerufen. Er hoffe sehr, dass die große Koalition den Hinweis auf eine notwendige CO2-Bepreisung, den sie im Koalitionsvertrag gestrichen habe, "dennoch umsetzt, denn ohne eine solche Bepreisung werden wir weder in Deutschland noch in Europa den Ausstieg aus der Kohle finden", sagte er am Samstag beim 101. Deutschen Katholikentag in Münster. Der stellvertretende Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung äußerte sich beim Podium "Klimaschutz, Globalisierung, Flüchtlinge. Europas Beitrag, weltweite Herausforderungen zu meistern".

Edenhofer beklagte, wenn man derzeit Politiker auf das Thema CO2-Bepreisung anspreche, erhalte man die Antwort "Vor der Landtagswahl in Bayern auf keinen Fall". Ähnliches habe er in den letzten fünf Jahren von vielen Ministern gehört, die es ihm gegenüber als "politischen Selbstmord" bezeichnet hätten, eine CO2-Bepreisung anzusprechen. Hier liege auch ein Wissensproblem vor, so der Ökonom. Daher sollte mehr über Länder informiert werden, in denen diese Maßnahme erfolgreich eingeführt worden sei. In British Columbia etwa sei die CO2-Bepreisung ein Jahr lang mit einer Kampagne bekannt gemacht worden. So hätten die Bürgern erfahren, dass sich die Maßnahme für alle lohnt, sagte Edenhofer.

Kritik übte der Wissenschaftler an wachsendem Populismus beim Thema Umweltpolitik. Vielfach sei die Stabilität von Gesellschaften bedroht, und Nationalstaaten könnten ihre Probleme allein nicht mehr lösen, so Edenhofer. "Zugleich greift überall auf der Welt ein Populismus um sich, der gerade den bedrohten Mittelschichten versucht weiszumachen, dass die Rückkehr zum Nationalstaat die Sicherheit erhöht." Doch sei das Gegenteil der Fall. Was die Populisten verhindern wollten, nämlich den Rückgang der Sicherheit der Mittelschichten, werde damit nicht erreicht.  "Was wir brauchen, ist eine Abkehr vom Populismus und Mehr an internationaler und zwischenstaatlicher Kooperation", sagte der Klimaforscher.

Der Steyler Missionar Victor Roche aus Papua-Neuguinea forderte die Deutschen auf, ihren Lebensstil zu ändern. In seiner Heimat seien bereits Bewohner von Inseln durch den Anstieg des Meeresspiegels gezwungen, diese zu verlassen.  "Die Menschen werden zu Flüchtlingen aufgrund des Klimawandels, an dem sie gar nicht schuld sind." Deutschland solle seinen Konsum an Kohle, Gas und Öl reduzieren. "Helfen Sie den Ländern, die darunter leiden. Auch mit Finanzstrategien", appellierte der Ordensmann. "Münster ist eine Fahrradstadt, das freut mich sehr. Je mehr Menschen Fahrrad fahren, desto weniger CO2 gibt es in der Luft. Sie leben gesünder und helfen den anderen auch gesünder zu leben. Das ist eine Win-Win-Situation", sagte Bruder Roche.

Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms verwies auf die große Herausforderung, die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens in EU-Gesetzgebung umzusetzen. Das gelte etwa für die Autoindustrie, die Gesetzesvorschläge mache, in der die Emissions- und Klimaziele nur halb so hoch seien wie von der Wissenschaft gefordert. "Wir müssten rasch handeln, können uns aber überhaupt nicht einigen", sagte Harms. "Richtig schockiert" zeigte sie sich, dass das, was an Maßnahmen notwendig wäre, und was vorgeschlagen werde von der Politik, deutlich auseinanderklaffe. Es gehe gerade bei der Autoindustrie um die Wahrung von Besitzständen. Die Konsequenzen für die Zukunft würden aber nicht richtig bedacht, kritisierte Harms.

 Der emeritierte Weihbischof Bernd Uhl aus Freiburg erklärte, die Kirche wolle beim Thema Klimaschutz Hoffnungsträger sein und auch eine spirituelle Rolle einnehmen, indem sie die Schönheit der Schöpfung in den Herzen der Menschen wecke. "Wichtig wäre auch, dass sie eine prophetische Rolle einnimmt: Der Prophet sieht, was andere nicht sehen wollen, auch heute noch im Klimabereich", so der frühere Umweltbischof der Deutschen Bischofskonferenz. "Wir können etwas tun, und wir wollen etwas tun." Auch die Bischofskonferenz wolle mit konkreten Maßnahmen wie der Dekarbonisierung der kirchlichen Anlagen ein deutliches Signal setzen. Denn: "So kann es nicht weitergehen", sagte Uhl.

Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok betonte, Klimaschutz sei einer der Bestandteile, um Migrations- und Sicherheitsfragen zu bewältigen. Das müsse man den Bundesbürgern deutlich machen. "Eine Vermeidung von Migration ist nur möglich, wenn man die Lebensbedingungen der Menschen in den betreffenden verbessert." Wenn den Deutschen diese Zusammenhänge klarer seien, steige auch ihre Bereitschaft für den weltweiten Klimaschutz zu handeln. "Das ist uns bisher bei breiten Bevölkerungsschichten nicht gelungen", sagte Brok.

Diese Seite teilen