Experten: Datenschutz ist eine große Herausforderung für die Kirche

Programmheft S. 101

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Experten: Datenschutz ist eine große Herausforderung für die Kirche

Der Medienrechtler Thomas Hoeren sieht den Datenschutz als "innerkirchliche Frage von großer Bedeutung". Denn die Kirche sei einer der größten Datenverarbeiter in Deutschland, erinnerte Hoeren am Samstag beim Katholikentag in Münster. Dabei gehe es um sensible Daten aus kirchlichen Krankenhäusern oder Kindergärten. Mit ihrer guten Datenschutzverordnung habe die Kirche in Deutschland eine hohe Symbolkraft für andere Kirchen beispielsweise in Österreich oder Frankreich. 

Auch die Sprecherin des "Chaos Computer Clubs", Constanze Kurz, attestierte der Kirche eine "hohe Sensibilität" beim Umgang mit Daten. Sie müsse jedoch auf diesem Feld noch ein besserer Dienstleister werden. Viele hätten Fragen zum Beispiel zur Nutzung von Messengerdiensten in der Gemeindearbeit. Sie schlug vor, dass die Kirche eigene Dienste anbieten sollte. "Die Software dafür ist da, man muss sie nur anwenden", sagte Kurz beim Podium "Bleiben Sie Herr Ihrer Daten! Datenschutz in Zeiten von Social Media und Big Data".

Der Leiter des Katholischen Datenschutzzentrums, Steffen Pau, machte auf die Probleme bei der Nutzung des Messengerdienstes "Whatsapp" aufmerksam. Die großen Anbieter hielten sich oft nicht an die europäischen Gesetze. Die Nutzung von "Whatsapp" in der Gemeindearbeit sei problematisch. In der Praxis sei es aber eine einfache und kostenlose Möglichkeit der Kommunikation, die Gemeinden oft nutzten.

Der Spiritual des Priesterseminars in Essen, Klaus Kleffner, sieht in der Nutzung von Sozialen Medien eine große Chance für die Kirche. "Über die elektronische Kommunikation werden Schwellen abgebaut." Es sei eine große Hürde mit einem Seelsorger ein persönliches Gespräch zu führen. Viele schrieben stattdessen lieber eine Email. Er sehe zudem einen großen Hunger, dass die Kirche Angebote über elektronische Medien schaffe oder darüber Informationen zur Verfügung zu stelle. Es brauche aber eine Sensibilisierung im Umgang mit diesen Diensten. 

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