Zwei Nonnen auf dem Weg zum "rassismuskritischen Stadtrundgang"

Zwei Nonnen auf dem Weg zum "rassismuskritischen Stadtrundgang"

Leute/Eröffnung

Bei strahlendem Wetter beginnt am Mittwochnachmittag der 101. Deutsche Katholikentag in Münster. Zehntausende Teilnehmer reisen in diesen Stunden in die Westfalenmetropole, die bis Sonntag den teilnehmer-stärksten Katholikentag seit 1990 beherbergt. 50.000 Dauerteilnehmer und weitere 20.000 Tagesgäste werden erwartet.

 

Um 16.45 Uhr beginnt auf dem Domplatz das Vorprogramm "Willkommen in Münster!". Ab 17.45 Uhr wird das Katholikentreffen auf dem Domplatz eröffnet. Reden werden unter anderen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Auch der Papst wird eine Botschaft an die Teilnehmer schicken. Im Anschluss daran gibt es auf verschiedenen Plätzen der Innenstadt einen Abend der Begegnung, auf dem sich das einladende Bistum Münster mit Kunst, Kultur und kulinarischen Spezialitäten vorstellt.

 

Aus Magdeburg haben sich Schwester Katharina (80) und Schwester Apollonia (77) auf den Weg zum Katholikentag nach Münster gemacht. Während vor dem Schloss die Generalprobe für den großen Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt läuft, sitzen die beiden rüstigen Damen vom Orden der Don Bosco Schwestern auf einer Bank in der Sonne und studieren die Kirchentagszeitung. Beide sind das erste Mal in Münster, waren aber auch schon beim Katholikentag 2016 in Leipzig: „Natürlich!“

 

„Ich möchte etwas von dem Thema dieses Katholikentags verinnerlichen: Suche Frieden“, sagt Schwester Katharina. Gerade stellen sich die Ordensschwestern ihr Programm für die kommenden Tage zusammen. Der große Gottesdienst am Donnerstag am Schloss, Besuche an den Ständen ihrer Mitschwestern und Mitbrüder, die weltweit in der Jugendarbeit tätig sind. Und noch etwas wollen die beiden Nonnen auf keinen Fall verpassen: Den „Rassismuskritischen Stadtrundgang“, der von Donnerstag bis Samstag täglich um 15:30 Uhr stattfindet.

 

Aus Magdeburg sind die Ordensschwestern mit Rassismus vertraut. Sie erzählen von rechten Demos durch die Stadt: „Alle ganz schwarz und überall Unmengen von Polizisten - da sucht man lieber schnell das Weite.“ Wobei die beiden Frauen nicht zu dem Menschenschlag zu gehören scheinen, der schnell das Weite sucht. 1992 kamen sie mit ihrer Gemeinschaft nach Magdeburg und bauten dort im Norden der Stadt in einem sozialen Brennpunkt das Kinder- und Jugendzentrum „Don Bosco“ auf. „Wenn wir anfangs durch die Stadt gingen in unserem Habit, Sie glauben nicht, was uns da hinterher gerufen wurde - furchtbar!“, sagt Schwester Katharina in einem Akzent, der ihre bayrische Heimat Garmisch verrät. „Aber wir haben uns gesagt: Wir begegnen allen freundlich. Und heute: Werden wir ganz selbstverständlich freundlich zurückgegrüßt!“ 

 

Nach ihrer Ankunft in Münster am Dienstag führte die beiden Ordensfrauen ihr Weg rasch in den Sankt Paulus Dom. Schwester Apollonia hatte dort prompt ein Aha-Erlebnis: „Es gibt dort eine Statue der heiligen Apollonia!“ Die frühchristliche Märtyrerin starb im dritten Jahrhundert in Alexandria und gilt als Patronin der Zahnärzte, entsprechend wird sie meist mit den Attributen Zange und Zahn dargestellt. So auch die Marmor-Skulptur im Münsteraner Dom. Nach diesem heiteren Start freuen die beiden Magdeburger Ordensschwestern sich nun auf einen friedlichen und inspirierenden 101. Katholikentag in Münster.

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