Umweltpolitiker: Esst weniger Fleisch

Programmheft S. 86

Programmheft S. 86

Umweltpolitiker: Esst weniger Fleisch

Verbraucher/Umwelt

Zwei frühere Bundesumweltminister haben die Deutschen zu weniger Fleischkonsum aufgefordert. „Wir leben mit einer Wohlstandslüge, und wir leben auf Kosten anderer“, sagte Klaus Töpfer, Direktor des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam, am Freitagabend beim Katholikentag in Münster. Der frühere Direktor des UN-Umweltprogramms UNEP nahm Papst Franziskus und seine Enzyklika „Laudato Si“ als Gewährsmann und sagte, auch Christen müssten sich in dieser Hinsicht prüfen. Man könne nicht „zum  Katholikentag kommen und das Thema einfach wegdiskutieren“.

 

Die ZdK-Sprecherin für nachhaltige Entwicklung und Ex-Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) verwies auf eine besondere deutsche Verantwortung. Deutschland habe die wirtschaftlichen und technologischen Mittel, um nachhaltige Entwicklung zu gestalten. Tatsächlich gebe es in der Bundesrepublik mehr private PKW als in ganz Afrika zusammen – „ein Resultat von Wohlstand“, so Hendricks. Allein im Verkehrsbereich sei in puncto CO2-Reduzierung noch überhaupt nichts geschehen seit 1990.

Die SPD-Politikerin forderte einen geringeren Viehbesatz pro Fläche. Allein zur Herstellung des importierten Kraftfutters wären elf Millionen Hektar Ackerflächen nötig, die in Deutschland „nie und nimmer“ vorhanden seien. „Aber die Gülle bleibt hier“, so Hendricks. Die Konsumenten müssten dringend ihren Fleischverzehr verringern.

Der 79-jährige Töpfer erinnerte daran, dass eine fünfköpfige Familie in seiner Jugend die Hälfte ihres Einkommens für Lebensmittel ausgegeben habe. Heute seien es nur noch 14 Prozent. Lebensmittel in Deutschland seien unvernünftig billig – und er sage das nicht, weil sich der Bürger Töpfer das leisten könne, sondern weil die Vernunft das vorgebe.

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