Sternberg und Marx: Kirche muss glaubwürdig in Gesellschaft hineinwirken

Programmheft S. 154

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Sternberg und Marx: Kirche muss glaubwürdig in Gesellschaft hineinwirken

Kirche/Gesellschaft

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, sieht die Christen vor "großen Herausforderungen" in der Gesellschaft. "Wir tragen Verantwortung dafür, uns den gesellschaftlichen und politischen Aufgaben zu stellen. Wir sind aufgerufen, kompromissfähige politische Lösungen dafür zu finden, die nachhaltig, solidarisch und gerecht sind", sagte Sternberg am Freitag beim 101. Deutschen Katholikentag in Münster. "Das geht nur, wenn wir uns im Dialog öffnen und Verbündete suchen über den Kreis der Katholiken hinaus." 

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erläuterte, Kirche und Gesellschaft seien nicht zwei getrennte Räumen, "sondern gehen ineinander über und haben Einfluss aufeinander". Mit Blick auf aktuelle Differenzen unter den Bischöfen mahnte er: "Wenn wir als Kirche aber zerstritten wirken und die Gesellschaft den Eindruck hat, bei uns ginge jeder seiner eigenen Wege, dann sind wir nicht sehr glaubwürdig, wenn wir ein Kommunikationsangebot machen wollen, wie man zusammengehen kann." In der gegenwärtig immer heterogener werdenden Gesellschaft sei das Thema Zusammenhalt "absolut notwendig" und Kirche könne einen guten Teil dazu beitragen.

Beide äußerten sich beim Hearing der Deutschen Bischofskonferenz zum Thema "Im Heute glauben - Der Beitrag der katholischen Kirche zum Zusammenhalt der Gesellschaft". Damit beteiligten sich die Bischöfe erstmals mit einer eigenen Veranstaltung beim Katholikentag, der traditionell vom ZdK als größtem kirchlichen Laiengremium organisiert wird. Sternberg lobte die Initiative der Bischofskonferenz. Sie setze damit einen Prozess fort, "der im Dialog schon vor vielen Jahren begonnen hat und der uns als Zentralkomitee sehr wichtig ist". 

Essens Bischof Franz-Josef Overbeck erläuterte, das Hearing solle der thematischen Vorbereitung dienen für die Fortführung des überdiözesanen Gesprächsprozesses der Bischofskonferenz 2019. "Wir brauchen Ihre Impulse und Vorschläge und wollen heraushören, was zukunftsweisend sein könnte", so Overbeck, der federführend den sogenannten Gesprächsprozess der Bischofskonferenz mitorganisiert. "Eine gute Zukunft von Kirche und Gesellschaft in Deutschland liegt uns ja schließlich gemeinsam am Herzen."

Die Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Katharina Norpoth, hob hervor: "Wir müssen uns fragen: Wie sind wir als Kirche glaubwürdig?" Dabei gehe es vor allem um die Glaubwürdigkeit gegenüber denen, die Kirche bisher noch nicht erreiche. Die Erfurter Pastoraltheologin Maria Widl erklärte: "Wir sind als Kirche sehr stark, Resonanz- und Begegnungsräume zu schaffen, etwa in der Flüchtlingsarbeit oder der Gefangenenseelsorge." Binnenkirchlich sollte man diese positiven Dinge stärker hervorheben, statt nur immer nur auf die Defizite zu schauen. Der Generalvikar des Erzbistums Berlin, Manfred Kollig, plädierte dafür, als Kirche stärker die von der Gesellschaft gesetzten Themen wahrzunehmen, statt nur eigene setzen zu wollen: "In Berlin schauen wir, was sind hier die Themen und überlegen dann, was wir als Kirche dazu beitragen können." 

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