Käßmann: Rüstungsexporte aus Deutschland sind skandalös

Programmheft S. 85

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Käßmann: Rüstungsexporte aus Deutschland sind skandalös

Rüstung/Frieden

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hält Rüstungsexporte aus Deutschland für skandalös. Sie könne nicht begreifen, dass die Bundesregierung weiter Waffenexporte genehmige, die auch in Kriegsgebiete kämen, sagte Käßmann am Freitag in Münster beim Katholikentag. Milliarden würde von Staaten immer schnell für den Krieg gefunden, aber nicht für Frieden. Dabei müsste beispielsweise Demokratiebildung gefördert werden.

Der geistliche Berater von Pax Christi, Horst-Peter Rauguth, betonte, dass es eine Spirale der Rüstung gebe. Konfliktparteien achten ihm zufolge immer darauf, wie viele Waffen der Gegner hat. Dann werde weiter aufgerüstet. Pazifist zu sein, heißt nach Ansicht Rauguths nicht, nur Tee zu trinken, sondern aktiv für den Frieden zu arbeiten.

Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf sagte: "Ich bin darüber schockiert, dass das Wort des Papstes bei den Katholiken so wenig gilt." Papst Franziskus spreche sich für Frieden aus, aber das werde nicht beachtet. Die Kirchen sollten als moralische Instanz bei Konflikten deutlicher eine Rolle der Vermittlung und Beratung einnehmen.

Für Wolf gibt es jedoch Grenzen des Pazifismus, etwa bei Völkermord. Was müsse getan werden, wenn ganze Volksstämme wie die Jesiden bedroht würden, fragte er. Wo müsse man eingreifen, damit die Auslöschung eines Volks verhindert werde? Die Frage könne er nicht beantworten, müsse aber diskutiert werden.

Wie Käßmann erklärte, kann es keinen gerechten Krieg, sondern nur einen gerechten Frieden geben. Die Haltung des Pazifismus bedeute aber nicht immer Unschuld. Auch wer nicht handele, könne schuldig werden. Christen sollten Käßmann zufolge aktuell ihre Stimme gegen Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus erheben.

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