Marx: Müssen das Projekt Europa neu denken

Programmheft S. 86

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Marx: Müssen das Projekt Europa neu denken

Europa/Kirche/EU

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat den Wert der Europäischen Union betont. "Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte haben sich Länder freiwillig zusammengeschlossen und ihre Souveränität abgegeben, damit es Frieden gibt", sagte
er am Freitag beim Katholikengtag in Münster. Doch die Union könne auch zusammenbrechen. "Da sind wir als Kirche besonders gerufen, den ursprünglichen Gedanken des Friedensprojektes, Solidarität und Gemeinschaft der Völker, positiv zu begleiten." Europa laufe nicht von selber. Das sei harte Arbeit, es brauche Leidenschaft und Einsatz.

Marx appellierte dafür, Europa neu zu denken: "Wir müssen die Erfahrungen der anderen ernst nehmen." Deutschland und Frankreich dürften ihre Ideen nicht den anderen überstülpen. Die Kirche könne helfen, ein neues, gemeinsames Projekt Europa auf den Weg zu bringen. Er sei erschrocken gewesen, dass die Europaskepsis in vielen Ländern gestiegen sei. "Wir müssen gucken, dass wir diese Menschen wieder für die EU begeistern können."

Die Vorsitzende der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament, Ska Keller, forderte die Vielfalt, die es in Europa gebe, zuzulassen und als echte Bereicherung zu sehen. Werte wie Rechtsstaatlichkeit oder die Wahrung der Menschenwürde seien wichtige Errungenschaften der EU, sagte Keller. Der Frieden, den die Union gebracht habe, müsse erhalten werden. Von einer Europaskepsis merke sie selbst nichts. "Ich erlebe keinen Verdruss bei den jungen Leuten." Gerade diese bekämen mit, dass die Union in Gefahr sei und sie dafür etwas tun müssten. Viele gingen deshalb unter anderem in Rumänien auf die Straße.

Keller sieht nach eigenen Angaben die europäische Idee gerade auf den griechischen Inseln zugrunde gehen. Dort würden im Umgang mit den Geflüchteten die fundamentalsten Werte der Union nicht eingehalten. "Menschen leben dort im kältesten Winter nur in Zelten." Dahinter stehe auch das politische Kalkül, andere von einer Flucht abzuschrecken. "Die Menschen in Syrien haben wahrlich genug gute Gründe, ihr Land zu verlassen", sagte Keller.

Marx erklärte zur Herausforderung der zunehmenden Zuwanderung: "Mit Mauern und Zäunen werden wir diese Situation nicht überwinden können." Dazu brauche es Kooperation unter den Ländern. Die polnische Rechtswissenschaftlerin Irena Lipowicz hob den Gedanken der Solidarität in der europäischen Union hervor. "Das ist mehr als eine Solidaritätssteuer für neue Bundesländer", sagte sie. Es gehe um ein soziales Netz, das die auffange, die Hilfe bräuchten. Allerdings sei Europa verletzlich geworden.

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