Erzbischof Schick: Erst Gehirn einschalten, dann reden

Programmheft S. 85

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Erzbischof Schick: Erst Gehirn einschalten, dann reden

Kirche/Gesellschaft

Für den Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat Populismus etwas mit Unwahrheit und Lügen zu tun. Unter anderem gebe es ein "eklatantes Nichtwissen von Geschichte", sagte er am Freitag beim Katholikentag in Münster. "Wir müssen viel mehr tun, damit die Wahrheit den Populismus überwindet." Dafür brauche es mehr Bildung und mehr Demokratie. "Wir müssen mehr miteinander sprechen und uns demokratisch verhalten", erklärte Schick. Gerade die Kirche habe die Aufgabe der Erziehung und Bildung.

Der Journalist Jörg Schönenborn betonte in diesem Zusammenhang die Rolle der Medien: "Sie haben Einfluss darauf, wie sich Gesellschaft entwickelt." Zeitungen oder der öffentlich-rechtliche Rundfunk sorgten dafür, dass es ein gleiches Grundwissen in der Gesellschaft gebe. Auf dieser Grundlage könne diskutiert werden.

Schick sprach sich zudem dafür aus, den Rechsstaat zu stärken. Bei seinen Reisen als Weltkirchebischof mache er immer wieder die Erfahrung, wie wichtig ein gut funktionierender Rechtsstaat mit Polizei und Justiz sei. Verantwortungsträgern riet der Bischof "erst das Gehirn einschalten und dann die Zunge bewegen", damit sie mit ihren Worten kein Unheil anrichteten oder Populismus verbreiteten. Von den Internetnutzern forderte Schick "moralische Selbstdisziplin". Das Netz und die Sozialen Medien hätten viel Positives, man könne aber auch viel Unheil anrichten.

Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) warnte davor, in den Populismus zu verfallen. "Populismus hat es immer schon gegeben, aber aufgrund des Internets gibt es mehr Verbreitungsmöglichkeiten und eine Hemmungslosigkeit, die es früher nicht gab", so Klöckner.
Egal ob von rechts oder links, jeder der Extreme verbreite, versuche das Gleichgewicht der Gesellschaft zu zerstören. "Dagegen müssen wir mit Argumenten angehen", so die Politikerin.

Für die Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane, sind die Zehn Gebote und das Grundgesetz ein guter Wegweiser für das eigenen Leben. Alle Menschen seien gleichwertig. "Wer das bestreitet, egal ob er Inländer, Ausländer oder Migrant ist, und wer Populismus mit Völkischem zusammenbringt, ist ein Rechtspopulist."

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