Sternberg: Antisemitische Angriffe sind ein Skandal

Programmheft S. 194

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Sternberg: Antisemitische Angriffe sind ein Skandal

Religionen/Judentum/Gottesdienste

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat den Anstieg judenfeindlicher Straftaten in Deutschland als „Skandal“ bezeichnet.  „Angesichts der alarmierenden Zunahme antisemitisch motivierter Angriffe sind wir als Christen aufgerufen, gemeinsam allen antisemitischen und rassistischen Äußerungen und Taten in aller Schärfe zu widersprechen“, sagte er am Donnerstag in Münster. Ob diese aus dem klassischen, immer noch in Deutschland möglichen rechtsradikalen Antisemitismus herrührten oder islamistisch motiviert seien – „es findet unseren schärfsten Widerstand“.

Es gelte, einen Beitrag zu leisten zu einem dialogischen Austausch zwischen Juden, Christen und Muslimen. „Wir werden erst ruhen, wenn es auch in Deutschland möglich ist, dass jüdische Einrichtungen ohne Schutz und ohne besondere Schutzvorkehrungen selbstverständlich und offen zu unserer Gesellschaft gehören“, sagte er bei der traditionellen christlich-jüdischen Gemeinschaftsfeier beim 101. Deutschen Katholikentag.

Als „aktuelles Hoffnungszeichen“ bezeichnete Sternberg die jüngste Gründung eines Vereins in Köln, der in den kommenden drei Jahren 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland und vor allem im Rheinland zum Thema machen wolle. Die Katholiken fühlten sich besonders dem Dialog mit dem Judentum verbunden, so der ZdK-Präsident weiter. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) habe die Haltung der Kirche und die enge geschwisterliche Verbindung von Juden und Christen verdeutlicht. Dies „verpflichtet uns geradezu zum christlich-jüdischen Dialog“, sagte Sternberg.

Die Vertiefung der Beziehungen zwischen Juden und katholischen wie auch evangelischen Christen habe in den vergangenen rund 50 Jahren zu neuem Vertrauen untereinander geführt. „Wir können zum einen über die Vergangenheit sprechen, aber auch über gemeinsame Anliegen in unserer Gesellschaft, die unsere Gegenwart und unsere Zukunft betreffen“, so Sternberg.

Auch Münsters Bischof Felix Genn zeigte sich bestürzt über vermehrte antisemitische Angriffe in Deutschland. Das jüdische Volk habe durch den Holocaust unsägliches Unrecht und Leid erfahren „- durch Christen“, sagte er. Umso wichtiger sei die Erinnerung an das Geschehene, damit es nicht noch einmal geschieht. „Und dann Judenhass? Antisemitismus? In unseren Tagen? Wirklich schlimm“, so Genn.
 
„Es ist unsere Aufgabe, unseren jungen Menschen zu helfen, in dieser Erinnerung zu bleiben“, sagte der Bischof. „Es ist notwendig und wichtig, dass wir uns im Kontext dieses Katholikentags auf unsere jüdischen Wurzeln besinnen und uns bewusst werden, welches Erbe wir durch den Glauben Israels empfangen haben.“ Dabei gehe es besonders um den großartigen Gebetsschatz der Psalmen und des Alten Testaments. Dankbar zeigte sich Genn für die gute Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde in Münster. Hier seien in den letzten Jahren Dinge aufgearbeitet worden, die Juden verletzt hätten, sagte er.
 
Der Berliner Rabbiner Andreas Nachama erklärte, als 1648 in Münster der Westfälische Friede geschlossen wurde, wäre eine solche Gemeinschaftsfeier nicht vorstellbar gewesen. „Dass wir nach dem mörderischen 20. Jahrhundert mit seinen millionenfachen Morden so geschwisterlich zusammenleben, mutet wie ein Wunder an“, so der jüdische Koordinator des Gesprächskreises Christen und Juden beim ZdK. Er sei glücklich über das hier gepflegte geschwisterliche Miteinander.

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