Missbrauchsbeauftragter: Kirche muss bei Aufarbeitung von Missbrauchsskandalen viel tun

Programmheft S.150

Programmheft S.150

Missbrauchsbeauftragter: Kirche muss bei Aufarbeitung von Missbrauchsskandalen viel tun

Kirche/Missbrauch

Die katholische Kirche hat nach Ansichten des Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, beim Thema sexueller Missbrauch noch viel zu tun. "Wir müssen in Fragen der Transparenz, von Regeln, Machtkontrolle oder Verfahrensabläufen von anderen lernen", sagte Ackermann am Donnerstag beim Katholikentag in Münster. Andere Institutionen seien der Kirche um Einiges voraus. Es gebe Rechtsstandards, die die Kirche nicht habe. Sie habe keine "Gewaltenteilung", so Ackermann. Das brauche sie aber.

Die Dimension der Missbrauchsskandale wird Ackermann zufolge erst jetzt in der Tiefe bewusst und macht ihre Wucht noch stärker. Das Zeichen der Zeit sei, dass Macht in der Kirche inzwischen ein Thema sei. Vor 2010 sei das nicht der Fall gewesen. Zudem sei Präventionsarbeit kein Selbstläufer und brauche immer neue Energie.

Die Kasseler Bibelwissenschaftlerin Ilse Müllner sieht als wichtige Maßnahme gegen sexualisierte Gewalt, das Schweigen über Taten zu beenden. Die Gesellschaft müsse lernen, über Dinge zu sprechen, über die man nicht sprechen wolle. Besonders gelte das für die Sexualität.

Michael Schüßler, Pastoraltheologe aus Tübingen, sagte, die Kirche dürfe dem Gespräch mit den Opfern nicht ausweichen. Das kirchliche Lehramt hatte Schüßler zufolge keine Berührungsängste, die intimsten Bereiche der Katholiken zu reglementieren und zu sagen, was verboten sei. Er sehe hier eine „theologische Schuldgeschichte“. Es sei daher an der Zeit, dass sich die Theologie mit den Missbrauchsskandalen und ihren Folgen auseinandersetze.

Diese Seite teilen