Neher: Sicherheitsfragen düfen bei Integrationsdebatte nicht alles überlagern

Programmheft S. 84

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Neher: Sicherheitsfragen düfen bei Integrationsdebatte nicht alles überlagern

Flüchtlinge/Gesellschaft/

Caritas-Präsident Peter Neher hat mit Blick auf die Integration von Flüchtlingen die Politik davor gewarnt, Sicherheitsfragen zu sehr in den Vordergrund zu rücken. Derzeit gehe es vor allem darum, wie die Abschiebepraxis verbessert werden könne, sagte Neher am Donnerstag beim Katholikentag in Münster. Dies konterkariere alle Bemühungen um eine gute Integration. Nicht zuletzt sei es auch ein Schlag ins Gesicht für die vielen ehrenamtlichen Helfer. Neher gab zu Bedenken, dass es sich bei den Flüchtlingen, die nach deutschem Recht abgeschoben werden müssten, im Vergleich zur Gesamtzahl der Flüchtlinge um eine sehr kleine Zahl handele.

Zugleich forderte der Caritas-Präsident mehr Kreativität und Flexibilität bei der Integration. Sein Wohlfahrtsverband etwa habe gute Erfahrungen mit Pflegeausbildungen gemacht, in die zugleich Sprach- und Wertevermittlungskurs integriert seien. Da brauche es mehr Anstrengungen. Er betonte, in vielen Einrichtungen der Caritas gebe es inzwischen auch eine kulturelle Öffnung, so dass dort auch etwa Muslime arbeiten könnten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)  begrüßte es, dass seit der Flüchtlingskrise 2015 Probleme bei der Integration von Migranten offen angesprochen würden. Das sei all die Jahre zuvor Tabu gewesen. Zugleich habe sich unter dem Druck das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zu einer modernen, inzwischen voll digitalisierten Behörde entwickelt. Deutschland habe zudem gelernt, bei Geberkonferenzen für in Not befindliche Staaten mit gutem Beispiel voranzugehen und die zugesagte Summe schnell zu überweisen. In den vergangenen Jahren habe die Weltgemeinschaft erlebt, dass es bei derartigen Konferenzen oft nur bei den Bekundungen geblieben sei.

Mit Blick auf die interkulturelle Öffnung von Caritas-Einrichtungen erklärte Spahn, er hoffe, dass dort auch bald ganz selbstverständlich offen homosexuelle Menschen arbeiten könnten sowie solche, die etwa durch Scheidung und erneute Hochzeit im kirchlichen Sinne gescheitert seien. Neher meinte dazu: "An mir soll es nicht liegen!"

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