Experten: Kirche muss mehr für Kinderschutz tun

Programmheft S. 112

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Experten: Kirche muss mehr für Kinderschutz tun

Kirche/Kinder/Missbrauch

Nach den Worten des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ist die 2010 öffentlich gewordene Missbrauchskrise ein Wendepunkt in der Geschichte der katholischen Kirche gewesen. Die Fälle von sexueller Gewalt seien für ihn ein "Schockerlebnis" gewesen, sagte Marx am Donnerstag auf dem Katholikentag in Münster. Die Kirche habe die Dimension des Skandals lange falsch eingeschätzt. Um so stärker müsse ihr Engagement zum Kinderschutz sein. "Man fällt schnell zurück und schaut nicht mehr hin. Deshalb müssen wir aufmerksam bleiben."

Die Kontakte mit den Kirchen auf anderen Kontinenten könnten helfen, auch wenn die politischen Verhältnisse in einem Land durcheinander geraten seien, so der Kardinal. "In kleinen Projekten im kirchlichen Schutz können wir Vieles tun." Dabei sei es wichtig, Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen.

Kindesschutz ist nach den Worten des Leiters des Center of Child Protection in Rom, Pater Hans Zollner, ein Thema, das sich für die Kirche nicht mehr "wegdrücken" lässt. "Die Kirche muss sich dem stellen", sagte das Mitglied der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen. Es müsse ein stärkeres Bewusstsein für das Thema geschaffen werden. "Man darf das nicht mehr verleugnen", sagte Zollner beim Podium "Lasst uns in Frieden (auf-) wachsen".

Der Präsident des Kindermissionswerks "Die Sternsinger", Klaus Krämer, kündigte an, regionale Kinderschutzzentren zu gründen. In anderen Regionen der Welt müssten andere Antworten gefunden werden. "Die jeweiligen kulturellen Voraussetzungen müssen beachtet werden." So könne der Kindesschutz auf solide Beine gestellt werden. Mit Hilfe der Zentren könnten Familien, Lehrer oder Erzieher zum Thema sexualisierte Gewalt geschult werden.

Das Kindermissionswerk arbeitet mit über 2.000 Partnern in der ganzen Welt zusammen. So unterstützt es unter anderem die Arbeit von Hannah Bockarie in Sierra Leone. Ihr Projekt betreut junge Mädchen, die Opfer von Gewalt geworden sind. "Mädchen und junge Frauen stark zu machen, ist mein Herzensanliegen", sagte Bockarie.

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