Ethikrat-Vorsitzender Dabrock verteidigt Ethik-Unterschiede der Konfessionen

Programmheft S. 175

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Ethikrat-Vorsitzender Dabrock verteidigt Ethik-Unterschiede der Konfessionen

Ethik/Kirchen/Gesellschaft/Ökumene

Der evangelische Theologe und Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, warnt vor einer Vereinheitlichung der ethischen Positionen von katholischer und evangelischer Kirche. "Man würde den Konfessionen einen Bärendienst erweisen, denn die unterschiedlichen ethischen Einschätzungen machen auch das jeweilige theologische Profil aus", sagte Dabrock am Donnerstag auf dem 101. Deutschen Katholikentag in Münster. Er riet den Kirchen ihre unterschiedlichen ethischen Positionen "ruhig dem Dialog auszusetzen".

Dabrock erklärte, bei katholischen Theologen erzeuge das Lehramt in Rom einen "Druck im Hintergrund", da der Vatikan theologische Überlegungen zu ethischen Fragen immer noch "kippen" könne. Diese lehramtliche Instanz gebe es für evangelische Theologen nicht: "Das führt zu einer größeren Pluralität der evangelischen Positionen, was aber nicht Beliebigkeit bedeutet." Dabrock räumte ein: "Ich habe in der evangelischen Theologie zu manchen meiner Kollegen eine größere Differenz als zu katholischen Kollegen."

Die katholische Ökumenikerin Dorothea Sattler hob hervor, dass die Christen sich in ethischen Positionen häufig näher seien, "als es in Streitigkeiten manchmal scheinen mag". Die Professorin der Universität Münster sagte: "Es eint uns mehr, als uns trennt." Sie sei zögerlich bei der Annahme, dass es bei den ethischen Positionen einen "Grunddissens" zwischen evangelischer und katholischer Kirche gebe. Das christliche Menschenbild verbinde beide.

Sattler schilderte, dass gerade in ethischen Grenzsituationen, etwa bei vorgeburtlicher Diagnostik oder Sterbehilfe, Menschen häufig "sehr persönliche ethische Entscheidungen" treffen würden und dabei konfessionelle Positionen nur eine sehr nachgeordnete Rolle spielten. Der Theologin zufolge sind dabei nicht selten kulturelle und soziale Prägungen von mehr Gewicht als offizielle religiöse Positionen. In diesem Sinne appellierte Sattler auch an ihre Kollegen beider Konfessionen: "Wir brauchen in der ethischen Theologie den Dialog und Austausch mit anderen Fächern und Disziplinen."

 

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