Soziologe Rosa fordert kollektive Ruheräume

Programmheft S. 83

Programmheft S. 83

Soziologe Rosa fordert kollektive Ruheräume

Gesellschaft/Philosophie

Der Jenaer Soziologe Hartmut Rosa fordert "kollektive Ruheräume" für die Gesellschaft. Die Menschen in Deutschland stünden unter Dauerdruck, sagte Rosa am Donnerstag beim Katholikentag in Münster. Man müsse immer mehr tun, um den gleichen Lebensstandard zu halten: "Nächstes Jahr müssen Sie schneller laufen, damit alles so bleibt, wie es ist."

Jeder einzelne Punkt des Lebens sei mit Erwartungen konfrontiert, etwa Familie, Freunde und Arbeit. Flexiblere Arbeitszeiten seien keine Lösungen, sagte Rosa: "Wenn man jederzeit alles tun kann, kommt der Dauerdruck aus allen Sphären gleichzeitig." Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr habe eine besondere Qualität, weil die ganze Gesellschaft dann zur Ruhe komme.

Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, sagte, Zeitdruck sei nicht Schuld des Einzelnen, sondern ein gesellschaftliches Problem: "Wir brauchen eine kleine Kulturrevolution." Für Pflegende und Erziehende sei das Homeoffice "schlechtes Gewissen in konzentrierter Form"; niemand könne allen anfallenden Aufgaben des Lebens gleichzeitig gerecht werden. Kipping forderte, die Wünsche der Menschen nach weniger Arbeit politisch umzusetzen. "Längere Teilzeit für alle" könne auch bei der gerechteren Aufgabenteilung in Familien helfen: "Liebevolle Familienarbeit", etwa Kinder zur Kita zu bringen oder ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen, solle Vätern nicht länger vorenthalten werden.

Rosa und Kipping äußerten sich anlässlich des Podiums "Immer schneller, immer mehr. Außer Atem. Familien suchen ihren Frieden" auf dem Katholikentag. 

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