Entwicklungsminister Müller: Es gibt immer noch Neokolonialismus in Afrika

Programmheft S. 111

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Entwicklungsminister Müller: Es gibt immer noch Neokolonialismus in Afrika

Entwicklungshilfe/Kirche/Afrika

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat mehr Partnerschaftlichkeit in der Wirtschafts- und Handelspolitik mit Afrika gefordert. "Heute findet immer noch so etwas wie Neokolonialismus statt", kritisierte der Minister am Donnerstag beim Katholikentag in Münster. Deutschland habe eine geschichtliche und kulturelle Verantwortung in diesem Bereich. "Außerdem müssen wir uns als starke Europäer für eine Partnerschaft auf Augenhöhe einsetzen."

Müller betonte in dem überfüllten Hörsaal, dass eine gerechte Globalisierung machbar sei: "Das heißt nicht freier Handel, sondern fairer Handel mit Mindeststandards." Wichtig seien etwa eine existenzsichernde Bezahlung für Arbeitskräfte in Afrika und ein Ende der Ausbeutung der Natur. Zugleich forderte der Minister eine stärkere Auseinandersetzung mit der afrikanischen Kultur: "Wir müssen Afrika mit dem Herzen begegnen." Partnerschaft wachse nicht über den Geldbeutel, sondern über Empathie. Müller würdigte auch das Engagement der Kirchen. Sie seien für die Entwicklungspolitik die wichtigsten Partner: "Ich brauche die Kirchen in den Krisengebieten dieser Welt."

Der vatikanische Entwicklungsminister Kardinal Peter Turkson hob hervor, dass in einer Partnerschaft immer um eine gemeinsame Zukunft gerungen werden müsse. Entwicklungspolitik müsse dabei stets auch die universale Würde der Menschen im Blick haben, ebenso wie den Einsatz für Gerechtigkeit auf einem globalen Level. "Die Seele der Partnerschaft ist Dialog - auf allen Ebenen", so der aus Ghana stammende Kardinal. Bei der Forderung nach mehr Bildung für Afrika gab er zu bedenken, dass es zunächst guter Regierungen bedürfe, um den Zugang zu Bildung zu verbessern. "Es gibt viele Probleme in Afrika, aber wir können nicht alle Probleme zugleich lösen." Häufig existierten schon Lösungen, aber die Regierungen müssten überzeugt werden, diese auch umzusetzen, mahnte der Kardinal.

 

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