Ökumene wird beim Katholikentag groß geschrieben - Kritische Bilanz geplant

Ökumene wird beim Katholikentag groß geschrieben - Kritische Bilanz geplant

Ökumene

Ökumene und interreligiöser Dialog sind traditionell feste Programmpunkte bei den Katholikentagen - so auch in Münster. "Der Programmbereich Ökumene will den Auftrag der Christen zur Suche nach der "Einheit in versöhnter Verschiedenheit" wachhalten. Dabei soll auch der Täufergeschichte Münsters gedacht werden - zur "Heilung der Erinnerungen" zwischen den "großen" Kirchen und täuferischen Freikirchen", heißt es im Programmheft.

Diesen Themen sind acht Podien gewidmet sowie zahlreiche "Werkstätten" und "Gespräche" und erstmals ein "Barcamp". Letzteres soll am Samstagnachmittag in der Gesamtschule Münster "für mehr Leichtigkeit in der Ökumene" sorgen - das Publikum ist ausdrücklich eingeladen, eigene Themen und Erfahrungen zusätzlich zu den vorbereiteten Beiträgen einzubringen.

Die Referenten kommen nicht nur aus der katholischen und evangelischen Kirche, sondern auch aus vielen anderen Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Auffallend ist die starke Präsenz der Orthodoxie, aber auch baptistische, mennonitische, pfingstkirchliche, altkatholische, anglikanische und koptische Christen sind unter den Referenten.

Einige Beispiele aus dem Podiumsprogramm: Am Donnerstag beschäftigen sich der katholische "Ökumene-Bischof" Gerhard Feige, die westfälische Präses Annette Kurschus, der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz, Metropolit Augoustinos, und Frank Uphoff vom Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden mit dem ökumenischen Wirken von Papst Franziskus. Um die Differenzen bei ethischen Positionen und die Frage, ob es sich dabei um einen "Spaltpilz der Ökumene" handelt, geht es bei einem weiteren Forum am Nachmittag, an dem u.a. der evangelische Theologe und Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, und die katholische Theologin Dorothea Sattler teilnehmen.

Unter dem Titel "Gemeinschaft der Kirchen - ein realistisches Ziel?" geht es am Freitagvormittag um den Dialog zwischen der katholischen Kirche und der protestantischen Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), dessen Exponenten - Bischof Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) und der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad - zu den Podiumsteilnehmern gehören. Am Samstagnachmittag schließlich geht es um die Frage "Ökumenisch Mahl feiern - wann endlich?", prominent besetzt mit Bischof Feige, dem emeritierten reformierten Theologen Michael Beintker und seiner katholischen Kollegin Sattler.

Ein "Großes Podium" des Katholikentags widmet sich zudem dem Thema "Ökumene nach 2017 - Aufbruchs- oder Katerstimmung? Konkrete Schritte auf dem Weg zum 3. Ökumenischen Kirchentag" am Freitagvormittag. Dabei wollen der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Kardinal Reinhard Marx, eine "kritische Bilanz" des Reformationsjubiläums ziehen. Beide Bischöfe treffen zudem am Samstagmorgen beim Kirchentags-bewährten Format einer gemeinsamen Bibelarbeit zusammen. Bedford-Strohm ist außerdem an einem weiteren "Großen Podium" beteiligt, das sich am Freitagnachmittag mit der aktuellen Lage in Syrien befasst ("Probleme einer ethisch verantworteten Politik").

Die traditionelle gemeinsame Veranstaltung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und des Deutschen Evangelischen Kirchentags steht - ebenfalls in Form eines "Großen Podiums" am Freitagnachmittag - unter dem Thema "Gott mit uns? Schuldverflechtung und Friedensengagement seit dem Ersten Weltkrieg". Auf dem Podium sitzen die ehemalige Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann, der Bischof von Troyes und Präsident der französischen Pax-Christi-Sektion, Marc Stenger, sowie der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf. Käßmann, die im Juni in den Ruhestand tritt, ist noch an drei weiteren Katholikentagsveranstaltungen beteiligt, darunter ein christlich-jüdisches Gespräch und ein "kabarettistischer Tagesrückblick".

Der zentrale ökumenische Gottesdienst des Katholikentags am Freitagabend im Dom St. Paulus steht unter dem Psalmvers "Gott behütet all seine Glieder". Geleitet wird er von Ortsbischof Felix Genn sowie Metropolit Augoustinos und Präses Kurschus, die Predigt hält die aus Deutschland stammende Erzbischöfin der lutherischen Kirche Schwedens, Antje Jackelén (Uppsala). Auch eine Reihe weiterer Gottesdienste sind ökumenisch, gestaltet, etwa von der Weltgebetstags-Bewegung der Frauen, der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland oder dem "Netzwerk Ökumene - Konfessionsverbindende Paare und Familien in Deutschland". Bei einer "Liturgie für Mensch und Tier" predigt die frühere evangelische Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter.

Ein Ökumenisches Stundengebet wird von Donnerstag bis Samstag in der Johanneskapelle "als praktikable Form im Haupt- oder Ehrenamt, als Anregung und Modell für die eigene Gemeinde - und als ein Impuls für die gelebte Ökumene" in der Bergstraße 36 angeboten. Unter dem Thema "Umkehr und Versöhnung unter den Täuferkäfigen. Heilung der Erinnerungen angesichts eines historischen Traumas" steht ein Mittagsgebet in der Kirche St. Lamberti am Freitag. Daran wirken außer dem katholischen Stadtdechanten Jörg Hagemann und dem Superintendenten des evangelischen Kirchenkreises Münster, Ulf Schlien, mennonitische Theologen aus Deutschland, den Niederlanden und den USA mit.

Ökumene

Ökumene

Vorbericht Ökumene

Vorbericht Ökumene

Diese Seite teilen