Keine Toleranz für Intoleranz: Christlich-jüdisch-islamischer Dialog beim Katholikentag

Programmseiten 194 ff

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Keine Toleranz für Intoleranz: Christlich-jüdisch-islamischer Dialog beim Katholikentag

Religionen/Judentum/Islam

„Antisemitische Straftaten im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent gestiegen“, hieß es einen Tag vor Beginn des Katholikentags in Münster. Umso aktueller sind die Veranstalter mit ihrer neu ins Programm genommenen Diskussion zum Thema „Keine Toleranz gegen Intoleranz! Gemeinsam gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit“. Auf dem Podium am Freitag um 11.00 Uhr debattieren in der Universität der Antisemitismusforscher Wolfgang Benz, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, der Erfurter katholische Bischof Ulrich Neymeyr, Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) und Awa Yavari, pädagogische Fachkraft in der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt.

„Diese Programmänderung ist sehr wichtig, wie man an unserer gesellschaftlichen Situation erkennen kann“, erklärt Nathalie Pieper, Geschäftsführerin der Gesprächskreise Juden und Christen und Muslime und Christen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). „Dass Angriffe auf Andersgläubige - verbal und tätlich - in den letzten Jahren stark zugenommen haben, können Christen nicht hinnehmen.“

Der Dialog der abrahamitischen Religionen hat für das ZdK eine lange Tradition und einen hohen Stellenwert. Der Gesprächskreis „Juden und Christen“ besteht bereits seit über 45 Jahren, das Pendant mit den Muslimen wurde Anfang der 2000er Jahre gegründet. Beim Katholikentag gibt es zahlreiche Veranstaltungen mit Beteiligung von Juden und Muslimen vor Ort sowie von wissenschaftlichen Institutionen, mit denen Münster besonders gesegnet ist.

Seit 2011 gehört das „Zentrum für Islamische Theologie“ (ZIT) zu den wenigen Standorten in Deutschland, an denen muslimische Religionslehrer ausgebildet werden. Und der bis 2022 geplante Campus der Religionen mit Beteiligung von Katholiken, Protestanten und Muslimen wäre nach Angaben der Initiatoren sogar weltweit einmalig.

Am Katholikentagsprogramm beteiligt sich die Jüdische Gemeinde Münster, die heute rund 800 Mitglieder zählt, beispielsweise mit Führungen durch die 1961 geweihte neue Synagoge. Darüber hinaus gibt es kulturelle Angebote wie Klezmermusik, Einführungen in jüdische Feiertage und die Unterschiede zwischen orthodoxem und liberalem Judentum. Politische Themen wie der komplizierte Friedensprozess im Heiligen Land nehmen ebenso breiten Raum ein wie theologische Angebote. So tauschen sich die evangelische Theologin Käßmann, Jesuitenpater Klaus Mertes und die Berliner jüdische Kantorin Chasan Jaida Rebling über ihren Gottesbegriff aus. Veranstaltungen der Muslime in Münster umfassen etwa Einblicke in die Ditib-Zentralmoschee. Ebenso gibt es Gelegenheit, eine mystische Strömung des Islam, den Sufismus, kennenzulernen. In der Moschee des Sufiordens können Interessierte deren Anrufung Gottes erleben.

Darüber hinaus gibt es auch „trialogische“ Angebote: Eine Premiere des Katholikentags ist dabei eine Bibelarbeit, die sowohl von Christen als auch Juden und Muslimen gestaltet wird. 

Spannend dürfte auch das Podium „Frauenämter in Synagoge, Kirche und Moschee. Jüdische, christliche und muslimische Perspektiven“ werden. Hier diskutieren als jüdische Vertreterin Esther Hirsch, Referentin im Berliner House of One, die Kölner Imamin und muslimische Theologin Rabeya Müller und die katholische Theologin Claudia Lücking-Michel. Wie weit die drei Religionen spirituell beieinander sind, loten der Osnabrücker islamische Theologe Esnaf Begic, die Kölner Rabbinerin Natalia Verzhbovska und die Beauftragte für den interreligiösen Dialog im Bistum Osnabrück, Katrin Großmann, aus. Unter dem Titel "Friedensfinderinnen" formulieren am Freitag auf dem Domplatz Vertreterinnen aller drei Religionen Impulse zum Thema.

Über das Jesusbild im Koran sprechen der islamische Theologe Mouhanad Khorchide und der katholische Theologe Klaus von Stosch. "Kritische Fragen an Jesus" richten ebenso der Rabbiner und Religionsphilosoph Walter Homolka und der katholische Theologe Magnus Striet.

„Unser Wunsch wäre, dass Katholikentagsteilnehmer durch das Programm mehr Verständnis für Andersgläubige erhalten und sich weiter engagieren“, sagt ZdK-Vertreterin Nathalie Pieper. „Und wenn mancher dann ‚Stopp‘ sagt, sobald Muslime oder Juden angegangen werden, dann hätten wir sehr viel erreicht.“

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