Was Kim Jong-Un mit dem Katholikentag zu tun hat

Was Kim Jong-Un mit dem Katholikentag zu tun hat

Gesellschaft/Politik/Frieden

Auf einem Katholikentags-Plakat ist er weithin sichtbar: Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un. Er blickt ins Weite, wo eine seiner Raketen startet. "Suche Frieden", so ist das Plakat überschrieben - was im Fall Nordkorea als Appell an den Machthaber interpretiert werden kann, auf weitere Atomwaffenversuche und Raketenstarts zu verzichten..

"Suche Frieden" ist auch das Motto des diesjährigen Katholikentags und das Thema Friede scheint allgegenwärtig: Bei verschiedenen Veranstaltungen, auf Podien, bei Werkstätten und Diskussionen. Und keine Stadt in Deutschland steht mehr für den Frieden als Münster: Vor 370 Jahren wurde hier der Westfälische Friede geschlossen und das Ende der größten Katastrophe Europas bis zum Ersten Weltkrieg besiegelt - das Ende des Dreißigjährigen Krieges.

Dabei geht es bei dem Motto - entnommen dem Psalm 34 - zugleich um einen Appell und um ein Eingeständnis, so Thomas Sternberg, als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Veranstalter des Katholikentreffens. "Gerade in dieser Doppelung machen wir den Frieden zwischen Staaten, Gruppen, Religion, zwischen Menschen und mit Gott zum Thema."

Auch die eingeladene Politik-Prominenz beschäftigt sich mit dem Thema: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will am Donnerstagnachmittag zusammen mit dem Berliner Historiker Herfried Münkler den "Frieden durch internationale Kooperation" als eine Antwort auf neue Nationalismen beleuchten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht am Freitagvormittag zum Thema "Friedenssuche als vornehmste Aufgabe der Politik".

Als Beispiel für einen gelungenen Friedensschluss gilt das Ende des Bürgerkriegs in Kolumbien. Der kolumbianische Staatspräsident Juan Manuel Santos wird deshalb am Donnerstagnachmittag darüber berichten, wie "Frieden und Versöhnung" möglich sein können. In einem anderen Land ist ein Ende des Krieges dagegen derzeit überhaupt nicht in Sicht: in Syrien. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm, und die stellvertretende Direktorin des Instituts der EU für Sicherheitsfragen, Florence Gaub, diskutieren am Freitagnachmittag darüber. Sie wollen erörtern, welche Probleme in diesem Zusammenhang eine ethisch verantwortete Politik mit sich bringen kann.

2018 liegt auch das Ende des Ersten Weltkriegs 100 Jahre zurück. Auf dem Katholikentag ist auch das Thema. So fragen sich die evangelische Theologin und Buchautorin Margot Käßmann und der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf am Freitagnachmittag, welche Schuldverflechtung und welches Friedensengagement es seitdem gibt.

Verschiedene Projekte und Gottesdienste sind ebenfalls dem Thema Frieden gewidmet: Am Freitagnachmittag wollen verschiedene Frauen in einer interreligiösen Performance FriedensFinderinnen sein und dazu unter anderem Texte aus Bibel,Thora und Koran rezitieren. Beteiligt sind unter anderem die Imamin Rabeya Müller aus Köln, die Rabbinerin Natalia Verzhbovska und die Direktorin für Lateinamerikanische Theologie, Martha Zechmeister, aus San Salvator.

In einem ebenfalls von Frauen gestalteten Gottesdienst soll szenisch dargestellt werden, dass "Frieden schaffen" bedeuten kann, "Türen zu öffnen". Vorgestellt werden soll - ebenfalls am Freitagnachmittag - das Modell Rahab, das sich gegen Menschenhandel einsetzt.

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