Zur Person: Thomas Sternberg

Zur Person: Thomas Sternberg

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Für ihn ist es ein Heimspiel: Thomas Sternberg (66) ist als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Veranstalter des 101. Deutschen Katholikentags in Münster. Zugleich lebt der Vater von fünf Kindern seit langem in der Bischofsstadt: Hier und in Bonn und Rom hat er Germanistik, Philosophie, Kunstgeschichte und Theologie studiert und wurde gleich zweimal promoviert, in Germanistik und in Theologie.  Hier hat er von 1988 bis 2016 die Katholisch-Soziale Akademie Franz Hitze Haus des Bistums Münster geleitet, war für die CDU im Stadtrat und von 2005 bis 2017 im Düsseldorfer Landtag, zuletzt als kulturpolitischer Sprecher.

Bildungs- und Kulturexperte, Theologe und Kenner von Archäologie: Sternberg ist ein Multitalent, der trotz aller Rückgänge der volkskirchlichen Strukturen für einen selbstbewussten Katholizismus steht. "Als dienende und hörende Kirche sind wir gefragt", zeigt er sich von der gesellschaftspolitischen Kraft der Kirche überzeugt.

Der gebürtige Sauerländer, der zunächst eine Bäckerlehre im elterlichen Betrieb in Grevenbrück absolvierte, steht seit 2015 an der Spitze des Katholikenkomitees. In diesem Amt lässt er kaum Gelegenheit aus, sich in kirchliche und politische Debatten einzumischen. Reizthemen spart er dabei nicht aus. Angesichts des Priestermangels fordert er, den Pflichtzölibat aufzugeben. "Verheiratete Priester müssen zur Normalität werden", sagt der Katholiken-Präsident.

Ebenso wünscht er sich eine schnelle Öffnung des Diakonenamts für Frauen und eine stärkere Einbeziehung der Laien in die Leitung von Gemeinden - auch als letztverantwortliche Entscheider. Immer wieder schaltet er sich auch in die Debatte um Kirchenfinanzen ein und fordert mehr Transparenz und Mitbestimmung von Laien, auch auf der Ebene der Bischofskonferenz.

Damit rennt Sternberg bei den Bischöfen nicht gerade offene Türen ein. Dennoch sieht er eine neue Basis der Zusammenarbeit mit den Oberhirten. Früher hätten sich nicht wenige Laien "daran wund gerieben", auch noch den letzten Bischof für Reformen zu gewinnen. Heute gebe es diese Frontstellung - hier die Laien und dort die Bischöfe - so nicht mehr. "Wir haben es heute mit einer pluralen Bischofskonferenz und auch mit einem pluralen Laienkatholizismus zu tun", betont Sternberg. "Hier sind Dialog und gemeinsame Aktionen angesagt."

Auf politischer Ebene macht Sternberg vor allem mit seinen distanzierenden Äußerungen zur AfD auf sich aufmerksam. Er verteidigte 2016 den Beschluss, keine AfD-Vertreter zum Leipziger Katholikentag einzuladen. "Menschenverachtende Positionen haben da keinen Platz." Wenige Monate später ließ er sich auf ein Streitgespräch mit AfD-Vize Alexander Gauland ein. Auch beim Münsterner Katholikentag spielt das Thema AfD wieder eine Rolle. Doch diesmal sitzt sie im Bundestag, und der kirchenpolitische Sprecher der Fraktion sitzt mit den anderen kirchenpolitischen Sprechern auf einem Katholikentagspodium. Eine Ausladung "böte der Partei nur die Chance, sich als Märtyrer zu inszenieren", sagt Sternberg dazu.

Der ZdK-Präsident zeigt sich überzeugt, dass Münster trotz der Amokfahrt vom 7. April ein fröhlicher Katholikentag werden kann. "Diese Amokfahrt bleibt natürlich im Hinterkopf, aber eine ängstliche Atmosphäre wird es deshalb nicht geben."

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